1972
AHE Nr. 20
Der bei der Kleinbahn Lüchow-Schmarsau abgestellte Wismarer-Schienenbus vom Typ "B" wurde im Jahr 1972 durch die "Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V." erworben. .Auf einem Flachwagen sollte er per Bahn nach Bodenburg transportiert werden. Da der neugegründete Verein kaum Finanzmittel zur Verfügung hatte, war die Verladung ohne Kran geplant. Zur Verfügung standen lediglich vier Handkurbelwinden und Schwellen. So fuhr man im November 1972, nur mit Handwerkzeug bewaffnet, nach Lüchow, wo das Fahrzeug wie besichtigt in gutem Zustand bereit stehend erwartete.
In diesem Zustand war das Fahrzeug vor den Verkaufsverhandlungen besichtigt worden...
... umso größer war der Schock, als man nach der Ankunft das Fahrzeug wiedersah: Blinde Zerstörungswut und Vandalismus hatten in der Zwischenzeit dem Wagen übel mitgespielt: Sämtliche Scheiben waren zerstört, die Glocke gestohlen und die Inneneinrichtung stark beschädigt. Umso unverständlicher, als das Fahrzeug jahrzehntelang treu seinen Dienst geleistet hatte und man in dieser ländlichen Gegend eigentlich eine Beziehung dazu hätte aufbauen müssen...

...dennoch begann man mit den Vorbereitungen zur Verladung: Mit Winden wurde da Fahrzeug angehoben und Schwelle für Schwelle darunter gestapelt.

Nach etlichen schweißtreibenden Stunden war der Wagen endlich auf die richtige Höhe geliftet worden. Nun konnte der bereitgestellte Flachwagen unter das Fahrzeug geschoben werden. Glücklicherweise erhielten die Vereinsmitglieder Unterstützung durch das Werkstattpersonal der Kleinbahn, so daß diese erste Verladeaktion erfolgreich zu Ende gebracht werden konnte.

Per Bahn wurde der Wagen frei Bodenburg angeliefert. Mangels Kran rangierte man den Flachwagen vor die dortige Kopframpe und zog den Wagen mit Hilfe eines Treckers erstmal auf die Ladestraße.

Und so sah der Triebwagen vor seiner Aufarbeitung aus: Die Fenster nur provisorisch mit Folien verschlossen, aber dennoch: Die AHE hatte ihr zweites Fahrzeug erhalten!

Zwei Jahre später hatte sich der optische Zustand doch schon deutlich verbessert: Dabei mußten alle Arbeiten im Freien und ohne festen Stromanschluß durchgeführt werden!

Obwohl zunächst äußerlich optisch aufgearbeitet, kam der Wismarer nie zu einem regulären Einsatz bei der Almetalbahn. Zwar brachte man einen der beiden Ford-Benzinmotoren leidlich zum Laufen, es fehlten jedoch die Mittel zur Erneuerung der Inneneinrichtung. Hinzu kam, daß durch die zahlreichen Fahrzeugneuzugänge in den siebziger Jahren kaum Zeit blieb für eine grundlegende Sanierung, von fehlenden Mitteln ganz zu schweigen. So wurde er 1986 an das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein verkauft, wo er grundlegend saniert und mit zwei Ford-Dieselmotoren versehen wurde. Heute ist er im Lokschuppen in Kranichstein zu besichtigen.
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