TÄTIGKEITSBERICHT 2002
VON MICHAEL BÖRNGEN
Angefangen hat das Jahr 2002 damit, daß es immer noch genauso lausig kalt war wie an den letzten Tagen des vergangenen Jahres. Dies konnte aber die aktive Mannschaft nicht daran hindern, bei den Streckenarbeiten in Richtung Segeste - Grillplatz weiterzumachen. Es war noch etliche Stoßlücken nachzuschneiden, Gleise auszurichten, Laschen zu setzen und den Bewuchsauf und neben unserer "Neubaustrecke" zu bekämpfen. Die letzte Lasche vor der Brücke hinter dem Haltepunkt "Segeste-Grillplatz" konnte am 9. Februar um 12.00 Uhr als montiert gemeldet werden. Damit waren die Arbeiten hier natürlich noch lange nicht beendet. Es mußte noch das Spurmaß korrigiert und jede Menge Schotter verteilt werden. Von der Ausbesserung der Bahnsteigkante Haltepunkt "Segeste - Grillplatz" ganz zu schweigen...
Feierlich wird die letzte Lasche verschraubt.
Am 9. März verließ unsere Motordraisine (DF 60) unser Bahnhofsgelände. Sie sollte zur Aufarbeitung ins Eisenbahnmuseum nach Borgholz. So die Absprache mit den Eigentümern. Bei einem Inkognitobesuch im Sommer von Stefan Knappwost fand er an der Draisine, mit der in unveränderten Außenzustand und ohne jegliche Abnahmen oder bahnamtlichen Untersuchungen Publikumsverkehr gemacht wurde, ein Schild mit der Aussage, daß das Fahrzeug als Dauerleihgabe dort verbleiben solle. Der Vorstand hat Volkhard Rahmel beauftragt, Schritte zur Rücküberführung einzuleiten und den Sachverhalt zu klären. Bis jetzt ist allerdings noch kein Ergebnis bekannt.
Bei der vereinsinternen, alljährlichen Weichenüberprüfung zeigten sich kleine Mängel an der Weiche 1. Nichts, was nicht zu reparieren wäre, aber eben etwas Arbeit. Dabei merkte man auch, daß im Gleis 3 das Spurmaß alles andere als in Ordnung war. Zu dumm nur, daß es schon Ende März war und die Regelüberprüfung durch die LEA am 9. April praktisch vor der Tür stand. Leider waren hier die Schwellen in einem derart schlechten Zustand, daß mit der üblichen Art der Spurberichtigung nichts zu wollen war. Das hieß hauptsächlich für Christian Piper und Michael Börngen einige Sonderschichten einzulegen. Auch wenn dieses Gleis "nur" 18 m lang ist, war es doch eine anstrengende Aufgabe...
Das erneuerte Gleis 3
In diese Zeit fielen auch die ersten Arbeitsurlaube einiger Aktiven. Die Restarbeiten an der "Neubaustrecke" mußten ebenfalls noch beendet werden. Schließlich hatte man die Werbetrommel gerührt und zum Frühlingsfest die Streckeneröffnung bekanntgegeben. Die letzten Schottersteine hier wurden dann auch pünktlich am 8.April verteilt. Diese Regelüberprüfung durch die LEA am 9. April war für Michael Börngen etwas Besonderes. Nicht, daß man sich nicht sicher bezüglich der Sicherheit unserer Gleise war, Michael trat vielmehr an diesem Tag offiziell sein neues Amt als "verantworliche Person" an und mußte demzufolge auch der Befragung über die graue Theorie dieser Materie standhalten. Aber außer der üblichen, stark gepfefferten Rechnung der LEA war soweit alles in Ordnung.
Auch war man schon seit einiger Zeit dabei, den Motor der V 20 (VL 6) zu zerlegen. Die Kühlwasserundichtigkeiten hatten seit Herbst 2001 stark zugenommen, so daß man hier in Zugzwang gekommen war. Bei der Demontage zeigten sich dann noch anders geartete Mängel, die aber wohl schon länger zurückliegende Ursachen hatten. Einige doch recht teure Ersatzteile mußten beschafft werden. Zumal die alten Teile beim Ausbau eine Menge Gewalt brauchten. Dies ging soweit, daß die sogenannten Brenner mitsamt ihren Verschraubungen ausgebohrt werden mußten. Viel Gefühl von Christian Piper und Michael Börngen war dabei gefragt, um keine zusätzlichen Schäden an anderen Teilen zu verursachen. Allerdings konnte auch viel Geld gespart werden, weil Michael Börngen in
Motor ohne Zylinderköpfe
seiner Firma diese Verschraubungen mitsamt dem dazugehörenden Gewindebohrer anfertigen konnte. Am 27. April hatte man unter Mithilfe bei der Montage der zum Teil recht schweren Einzelteile wieder alles zusammen. Beim Probelauf und auch später bei der Probefahrt zeigten sich keine Mängel, sogar die seit jeher bekannte Rußfahne aus dem Auspuff war verschwunden. Außerdem fielen eine merklich gestiegene Zugkraft und ein deutlich ruhigerer Motorlauf auf.
Zwischenzeitlich war auch ein neuer Bohlenweg über dem neuen Gleis 3 fertig geworden, ebenso hatten sich die übrigen Aktiven am 4. Klasse-Wagen (PW30) und am 2.-3.-Klasse-Wagen (PW35) erheblich zu schaffen gemacht und auch diese Fahrzeuge für unser Bahnhofsfest am 4. und 5. Mai einsatzbereit bekommen. Dieses Fest sollte ja nun etwas Besonderes werden. Deshalb waren auch, für Viele unsichtbar, extreme Vorbereitungsarbeiten zu leisten. Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft waren unseren Einladungen gefolgt und haben in Grußworten und Reden unsere Arbeit gewürdigt und gelobt. Die Presse war natürlich auch dabei, ebenso ein Kameramann vom "RioGrande Eisenbahnvideo-Verlag". Danach ging es zur eigentlichen Eröffnung unserer "Neubaustrecke". Der Zug mit Lokführer Wolfgang Dieckow stoppte dann am westlichen Bahnhofsende.
Der neue Übergang
Die Ehrengäste stiegen aus, um symbolisch zur Streckeneröffnung ein Band durchzuschneiden. Dieses Band war nach der Idee von Marcus Bugar an einem festlich geschmückten Lademaß, welches über die Strecke aufgebaut war, befestigt. Hiernach stiegen die Ehrengäste wieder ein und der Zug fuhr weiter zum Haltepunkt "Segeste-Grillplatz", wo ein warmes Mittagessen und Getränke bereitstanden.
Für diesen Sonntag hatte auch der Wettergott ein Einsehen mit uns und ließ es bei stark bewölktem Himmel wenigstens nicht regnen, was sich am lebhaften Besucherzustrom bemerkbar machte. Nach erheblichem Dauerregen am Vortag und einer entsprechend niedrigen Zahl von Besuchern hatte man sich schon seine Gedanken gemacht. Als Resümee aller Beteiligten und der Presseartikel kann man aber durchaus sagen:
Unser Fest war ein voller Erfolg!
Als danach der Alltag wieder eingekehrt war, widmete man sich hauptsächlich den Triebfahrzeugen, die wieder zur turnusmäßigen Untersuchung dran waren. Dazu kamen noch die Privatloks von Peter Leinemann und Michael Börngen. Wenn die Herren Sachverständigen einmal da waren, wollte man die "Salzi" (VL 11) und die "Wirus" (VL 3) gleich mit vorstellen. Außerdem galt es die Köf II (VL 8) auszuachsen, die Sachverständigen wollten Achsen und Rahmen auf Anrisse und sonstige Schäden untersuchen, bevor sie ihr "Ja und Amen" dazu geben wollten.
Ebenso sollte die kleine Feldwegbrücke hinter dem Haltepunkt "Segeste-Grillplatz" einer vernünftigen Restauration unterzogen werden. Am Besten ginge das natürlich im Bahnhofsbereich. Da wäre dann Strom und unser Sandstrahlgerät
Der Eröffnungszug am neuen Haltepunkt
vorhanden. Dazu galt es erstmal unseren Kranwagen (DF 62) einer intensiven Prüfung zu unterziehen. Dank Peter Leinemanns Verhandlungsgeschick haben wir von der Firma "Bruns" schöne lange Ketten bekommen. Damit haben wir dann das Prüfgeicht von 5,5 t vernünftig am Kranhaken angeschlagen. Das Anheben der Last ergab keine Mängel, so daß wir nach entsprechender Vorbereitung am Vortage am 8. Juni die Brücke sicher ausheben und nach einem Transport über unsere Strecke neben unserem Bahnhof ablegen konnten.
An den Fundamenten dieser Brücke haben sich in vorbildlicher Manier Marcus Bugar und Meinhard Vorhold betätigt und werden, sowie das Frühjahrswetter es zuläßt, daran weitermachen.
Am 10 Juli waren dann die Sachverständigen Dipl.-Ings. Schweitzer und Schäfers bei uns. Aufgrund guter Vorbereitung und Absprache gab es wie immer keine Probleme. Die Köf II (VL 8) wurde natürlich besonders genau inspiziert, Radreifenmessungen und Spurmaße wurden zu Papier gebracht, usw.. Eine Abnahme bekam die Lok an diesem Tage trotzdem nicht. Dazu gehörte schließlich eine Probefahrt, und die geht ohne Achsen auf Hebeböcken nicht so gut. Aber wir bekamen die Zusage, daß mit der Lok alles in Ordnung war und die Probefahrt reine Formsache wäre. Auch bei der Neuabnahme der "Salzi" (VL 11) und der "Wirus" (VL 3) war nichts zu beanstanden.
Ausgebaute Köf II-Achse
Zum Sommerfest standen somit zwei neue Triebfahrzeuge zur Verfügung. Peter Leinemanns "Salzi" sollte für Führerstandsmitfahrten genutzt werden und kam beim Publikum auch ausgezeichnet an, Michael Börngens "Wirus" sollte mit der Deutz (VL 2) "im Sandwich" den Personenverkehr zum Haltepunkt "Segeste-Grillplatz" übernehmen. Auch dies kam bei unseren Gästen an, allerdings merkten wir als Betriebspersonal, daß gerade die Deutz, die bergan ziehen mußte, doch arg an der Leistungsgrenze war. Deshalb übernahm am Sonntag dann die V20 im Wechsel mit "Salzi" diese Aufgabe. Durch das so entstandene zusätzliche Gewicht war natürlich talwärts die Bremse der "Wirus" stärker gefragt.
Hans Wolter planierte den Brenneplatz bei Breinum. Außerdem hat er begonnen, den Haltepunkt Breinum von den alten Gleisjochen zu befreien und daraus für uns noch brauchbare Teile zu gewinnen.
Harald Schickert hatte in exzellenter Manier begonnen, unsere alte Viehrampe zu entrosten. Nach etwas Hilfe bei Metallarbeiten und dem Gangbarmachen der festgerosteten Lager konnte er dann in vorbildlicher Weise für Farbauftrag sorgen. Der noch fehlende Bohlenbelag soll noch im Frühjahr 2003 aufgebracht werden. So nebenbei und zwischendurch hatte Marcus Bugar auch weiterhin kräftig am Tischlerwagen (GW 54) gearbeitet, und das meist schon ab Freitagnachmittag. Marc Wolter hatte sich dazu entschlossen, den Kranwagen einer optischen Aufarbeitung zu unterziehen und hat, soweit es Wetter und Zeit zuließen, schon gewaltig Rost entfernt.
Gisela Leinemann versah das Lokschuppentor mit einem neuem Anstrich.
Die Viehrampe während der Aufarbeitung

Weitere Arbeiten an Privatfahrzeuge wurden ferner durch Wolfgang Dieckow und Michael Börngen ausgeführt. So konnte der Niederbordwagen (GW 61) mit neuen Flachten versehen werden und die Kö II (VL 10) ihre endgültige Lackierung erhalten.
Claus Dieckow und Steffi Hoffmann hatten begonnen den Post-Packwagen (GW 50) aufzumöbeln. Es wird aber wohl ein Mehrjahresplan werden, nicht zuletzt wegen der weiten Anreise der Beiden. Um so lobender muß man dieses Projekt hier erwähnen, besonders wenn man die Fortschritte sieht, die in der Urlaubswoche erzielt wurden.
Michael Börngen und Christian Piper wollten ebenfalls in einer weiteren Wochenaktion das undichte Blechdach des 2.-3.Klasse-Wagens (PW 35) in Ordnung bringen. Christian Piper hatte dafür in seiner Firma Blechstreifen ensprechend der Dachkante vorgebogen. Leider erwies sich die Arbeit an dem Dach als langwieriger als erwartet, so daß nur die Hälfte fertig wurde. Die Beiden haben aber bereits Planungen für die erste Aprilwoche 2003 für die Restarbeiten gemacht.
Michael Börngen hatte zudem die alten Rauchrohre aus unserer Dampflok T3 (DL 16) ausgebaut. Eine doch recht staubige, stickige und schweißtreibende Arbeit. Außerdem mußte für eine vernünftige Wanddickenmessung im Kesselinneren der lose Rost entfernt werden. Aber schließlich wollte man Nägel mit Köpfen machen und den TÜV um eine entsprechende Begutachtung des Kessels bitten. Dieser
Kö II kurz vor der optischen Fertigstellung
Termin wurde dann auf den 11. Januar 2003 festgelegt.
Zum Herbstfest war auch die Köf II natürlich wieder eingeachst und hatte die für ihre Zulassung erforderliche Probefahrt ebenfalls zur vollsten Zufriedenheit absolviert. Somit konnte diesmal sie die Personenzugfahrten zum Haltepunkt "Segeste-Grillplatz" übernehmen. Trotz doch schon merklich kühlen Wetters waren wir mit den Besucherzahlen zufrieden. Bratwürstchen und Pizza gingen natürlich deutlich besser als Bier...
Hiernach ging es hauptsächlich mit Grünschnitt weiter. Auch hier muß man Marc Wolter, Marcus Bugar und Marcel lobend erwähnen, die oft genug schon Freitagnachmittag mit diesen wichtigen Vereinsarbeiten angefangen haben.
Am 11. November trafen bei uns per Spedition die von der Firma Funke gestifteten neuen Rauchrohre für die T3 bei uns ein. Vom LKW runter auf den Niederbordwagen hat ja noch der Fahrer mit angefaßt, das restliche Umladen bis in unseren Lokschuppen "durfte" Peter Leinemann dann alleine machen...
Eine undichte Stelle im Lokschuppendach konnte im November noch repariert werden, ebenso eine Stelle des Bodenburger Bahnhofsdaches und ein Dachrinnenfallrohr, das seinem Namen alle Ehre gemacht hatte und abgefallen war.
Unsere Köf II im Einsatz bei Herbstfest
Außerdem hatten Peter und Gisela Leinemann damit begonnen, den neuen Aufenthaltsraum des Übernachtungswagens (DF 69) wärmemäßig zu dämmen. Marcus Bugar hatte den von Peter Leinemann beschafften Ölofen installiert. Im weiteren konnten mittlerweile ein Kühlschrank und ein Elektroherd eingebaut werden, so daß demnächst die Pausen der Aktiven dort abgehalten werden können und der Warteraum des Bahnhofsgebäudes immer seinen musealen Charakter behält.
Am 28.Dezember morgens um 5.17 Uhr starb unsere Bahnhofsmutteruhr. Kleinere Schäden wie der seit Jahren nicht mehr intakte Funkempfänger sowie absolut unbrauchbare Netzausfallakkus hatten dazu geführt, daß Peter Leinemann schon vor einiger Zeit ein kleines, billiges Funkuhrwerk einer Wanduhr gekauft
Der neue Aufenthaltsraum während der Umbauarbeiten
hatte, in Absprache mit Michael Börngen, der zugesagt hatte, den Rest der Steuerung für unsere Tochteruhren neu zu konstruieren und bauen zu können. Da die eigentliche Elektronik bereits einen Probelauf hinter sich hatte, mußte Michael Börngen "nur" noch einige Sonderschichten bezüglich des Gehäusebaus einlegen. Am 31. Dezember konnte die neue Mutteruhr ihren Dienst aufnehmen, der Netzausfallakku für ca. 40 Stunden Gangreserve konnte in den ersten Januartagen 2003 eingebaut werden.
Was sonst noch geschah:
Am 11. Mai waren wir zu Gast beim Frühlingsfest der "Heiligenstädter Eisenbahnfreunde".
Mit unserem Elektrokarren (DF 74) waren wir am 9.Juni in Sehlem und am 30. Juni in Barfelde als teilnehmender Verein in den Festumzügen. In Barfelde ging Ehrenmitglied Hündin Anka während des Umzuges verloren, nach erheblichem Ausschwärmen vor der Rückfahrt fand man sie dann auf dem Festplatz zwischen Bierbude und Würstchengrill...
Am 3. Oktober hatte Christian Piper einen schönen Besuch im Straßenbahnmuseum in Wehmingen mit einer über das normale Maß hinausgehenden Führung über das Museumsgelände sowie einer separaten Ausfahrt auf deren Außenstrecke für uns arrangiert.
Der Elektrokarren während eines Festumzuges
Unsere alljährliche Adventsfeier, diesmal mit Zugfahrt zum Haltepunkt "Segeste-Grillplatz", fand am 15. Dezember statt.
So, und zum Schluß möchten wir natürlich einen ganz besonderen Dank an all unsere Gönner und Förderer aussprechen und an all diejenigen, die durch ihre Vorbereitungsarbeit oder ihr Organisationstalent Feste und Veranstaltungen erst möglich gemacht haben.
Besonderen Dank auch an all diejenigen, die in Almstedt eine, zwei oder drei Wochen ihres Urlaubs zum Vorankommen des Vereins genutzt haben. Da sind z. B. ( in alphabetischer Reihenfolge) Christian, Claus, Gisela, Marc, Marcus, Michael, Peter, Stefan, Steffi und Wolfgang.
Ich hoffe, niemanden und nichts vergessen zu haben.

Michael Börngen
Museumsbahnbetrieb Almetalbahn
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