"AKTION BODENBURG"
Unter diesem Motto stand am Wochenende 15.03.-16.03. eine Initiative unseres Vereins, die noch einmal nachdrücklich unser Interesse am Erhalt und an einer späteren Übernahme der Bahnhofsanlage unterstrichen hat. Seit im Jahr 1991 der Fahrbetrieb auf der Almetalbahn eingestellt werden mußte, hat sich einiges verändert in "unserem" ehemaligen Endbahnhof, leider nur wenig zum Gutem. Hier seien nur die wichtigsten Veränderungen genannt:
1995: Die AHE kündigt den Anschlußvertrag zur DB-AG in Bodenburg. Sie wird damit faktisch zum Inselbahnbetrieb. Die letzten auf dem ehemals angemieteten Gleis 3 stehenden Fahrzeug werden im September abgeholt und nach Almstedt gebracht. Gerüchte über einen Rückbau der Gleisanlagen zum Jahresende machen die Runde.
1996: In großen Maße werden im Frühjahr die Gleisanlagen im Bereich Bodenburg zurückgebaut. Dies betrifft in erster Linie die letzten beiden Anschlüsse zur Zuckerfabrik Östrum (Totalabbau sämtlicher Gleise bis zum Bodenburger Bahnübergang), sowie den Anschluß des Landhandels "Hesse". Die vor dem ehemaligen Lokschuppen befindliche Drehscheibe wird verschrottet, die Grube verfüllt. Von Seiten der DB-AG werden die Richtung Almetalbahn abzweigenden beiden Weichen, sowie die Weichen zum Zufa- Anschluß und zum Landhandel ausgebaut und im nahegelegenen Derneburg wieder eingebaut.
1997-1999: In diesem Zeitraum werden die beiden Gleise 4 und 5 nach Bedarf weiter "gefleddert". Dabei bleiben manchmal Fragmente von etwa 60 cm Länge einfach liegen, während links und rechts die Gleise komplett verschwunden sind. Bis etwa 1998 wird seitens der DB-AG noch in das direkt vor dem Bahnhofsgebäude befindliche Gleis 1 eingefahren, dann jedoch legt man die hierzu im Abzweig zu durchfahrende Weiche aus Wartungsersparnisgründen im geraden Zustand fest und läßt bis heute die Züge nur noch über Gleis 2 einfahren. Sämtliche Gleisanlagen außer den erwähnten Gleisen sind seit Mitte der neunziger Jahre aus dem Instandhaltungsprogramm herausgenommen worden und gelten als stillgelegt. Insgesamt muß man sagen, daß die letzte positive optische Aktion im Bahnhofsbereich Bodenburg der Neuanstrich des Gaststättenteils des Bahnhofsgebäudes durch die AHE, unterstützt von ABM-Kräften im Jahr 1989 war. Ein Gesamtanstrich des Gebäudes wurde damals durch die DB abgelehnt, weil man nicht einmal mehr in die Farbe investieren wollte...
2000: Ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Erhalt der Bahnhofsanlage. Auf Betreiben der AHE wird das gesamte Bahnhofsensemble inklusive Gleis- und Signalanlagen unter Denkmalschutz gestellt. Der Abbau jeglicher Einrichtungen ist seitdem nicht mehr zulässig.
2001: Die DB-AG versucht , das seit Jahren verkommende Bahnhofsgebäude für fast eine viertel Million DM (!) zu verkaufen, verständlicherweise bis heute vergeblich. Inzwischen gibt es auch keinen Fahrkartenverkauf mehr im Bahnhof, auf der Bahnsteigseite befindet sich ein Automat.
2003: Die "Eurobahn" erhält die Transportleistung für den Personenverkehr ab Ende 2003 für mindestens die nächsten 8 Jahre zugesprochen. Damit sind die Tage der DB-AG in Bodenburg gezählt, da auch die Strecke an das Land Niedersachsen abgetreten wurde. Geplant ist seit Jahren der Rückzug der Strecke bis hinter den Bahnübergang und der komplette Neubau eines Haltepunktes. Damit bliebe der "alte" Bahnhof Bodenburg ein Relikt, welches so sicher auch keinen Käufer finden wird. Die AHE ist offensichtlich bislang der einzige Interessent am Gelände.
In Folge der lange betriebenen Verwahrlosung sind etliche Gleise und Teile des Bahnsteigs inzwischen nicht nur mit Unkraut bewachsen, auch richtige Bäume stehen bereits an einigen Stellen zwischen den Gleisen. Der allgemein sehr schlechte Eindruck der Bahnhofsanlage (Die Eurobahn soll sich sogar gerüchteweise geweigern, hier einzufahren, wenn sich am Zustand nichts ändere) und die weitere Untätigkeit der DB-AG veranlaßten die AHE-Aktiven, hier selbst Abhilfe zu schaffen. Bei der zuständigen Stelle der DB-AG erhielt man tatsächlich grünes Licht für eine Strauchschneide- und Rodungsaktion im Bahnhofsbereich. So machten sich einige Aktive am Samstag, den 15.03. mit dem Bagger, einem Flachwagen und dem SKL auf nach Bodenburg...
Bereitmachen zur Abfahrt nach Bodenburg.

Im Vordergrund die erwähnten Gleise 1 (rechts) und 2. Der "Wald" auf der linken Seite ist übrigens der ehemalige Bahnsteig...
Das inzwischen abgehängte, aber glücklicherweise noch nicht abgebaute ehemalige Ausfahrtsignal für Gleis 4, von dem nur noch die Schwellen zeugen.

So verkrautet sah es an vielen Stellen aus, als man am Samstag mit der Arbeit begann...
...und hier ein Bild vom Zustand nach der Auslichtung. Die Seilzüge und Spannwerke waren vorher hinter einer Dornen- und Gebüschmauer versteckt.

Der Mittelbahnsteig Blickrichtung Bad Salzdetfurh. Noch am Samstagmorgen war dieser Bahnsteig von einem Gebüsch und Einzelbäumen auf ganzer Breite zugewachsen. Das rechts neben der Rampe zu erkennende Gleis stand bereits in einem Birkenwald. Dank unseres Baggers war dies jedoch für und kein Problem. Außerdem konnten die Wurzeln gleich mit gezogen werden.

Der gerodete Bereich in der anderen Blickrichtung. Zwar wären noch einige Samstage zu verbringen, bis alle Büsche und Bäume beseitigt sind, jedoch hätte Niemand geglaubt, daß wir an einem Tag so viel schaffen würden! So sieht wenigstens der Bereich, in dem Publikumsverkehr herrscht, wieder einigermaßen manierlich aus.
Leider fiel am Samstagabend die Kraftstoffförderpumpe unseres Baggers aus. Da wir im Dunkeln keine Reparatur durchführen wollten, mußten die Fahrzeuge in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Bodenburg zurückbleiben. Glücklicherweise ist dabei weder etwas beschädigt, noch gestohlen worden. Am Sonntagvormittag kam man dann mit Werkzeug ausgerüstet zurück und überbrückte die Pumpe.
Nach etlichen Startversuchen (mit wohlweislich vorher geladenen Batterien) gelang es schließlich, den belüfteten Dieselmotor zu entlüften und zu starten. Nun konnte man den Heimweg nach Almstedt antreten.

Auf dem Rückweg nach Almstedt (bei Breinum).
Fazit:
Auch wenn uns der Bahnhof noch nicht gehört, bzw. wir auch noch keine direkte Aussicht darauf haben, ihn jemals zu erwerben, haben wir doch vielleicht unseren Beitrag dazu geleistet, das schlechte Image der Bahn etwas aufzubessern. Das rege Interesse der Bevölkerung an unseren Aktivitäten zeigte uns übrigens auch, daß für viele Bodenburger "ihr" Bahnhof noch lange nicht abgeschrieben ist, auch wenn die DB-AG dies vielleicht so sieht. Uns hat es auf jeden Fall wieder einmal gezeigt, wie viel an nur einem Arbeitstag mit einer motivierten Mannschaft geschafft werden kann. Und Spaß gemacht hat es obendrein. Und das ist ja der eigentliche der Sinn eines Hobbies, oder?!
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