Ein Bahnhof auf dem Abstellgleis (?)
Nachdem am Abend des 13.Dezember 2003 der letzte Triebwagen durch eine Delegation der Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V. in die Nacht verabschiedet wurde, gingen im alten Bahnhof Bodenburg nach 102 Jahren endgültig die Lichter aus. Kaum hatte der Zug den Bahnübergang passiert, vor dem Generationen der Bodenburger und Östrumer Bevölkerung täglich hatten warten müssen, wurde durch einen bereits bereitstehenden Gleisbautrupp der Schienenstrang auseinandergesägt und verschwenkt, so dass die letzte Anschlußmöglichkeit zur übrigen Welt unwiderruflich gekappt war. Die Zeit drängte, schon am Morgen des 14. Dezember sollte der erste Zug der Eurobahn die Lammetalbahn befahren, allerdings nur noch bis zum neu eingerichteten und gerade rechtzeitig fertiggestellten Haltepunkt Bodenburg jenseits des Bahnübergangs. Ein Prellbock kennzeichnet seitdem das Ende der Strecke, die dahinterliegenden Bahnhofsanlagen blieben bisher -dem Denkmalschutz sei Dank - unangetastet. Lediglich betriebstechnisch überflüssige Einrichtungen wurden zurückgebaut, so das Vorsignal, sowie das Einfahrtssignal Richtung Bodenburg, die an diesem Abend ihren letzten Einsatz hatten.
Dieser zunächst einmal traurige Umstand muß jedoch nicht ausschließlich negativ betrachtet werden. Er gibt vielmehr der AHE Hoffnung, daß ihr jahrelanges Bestreben, doch noch zumindest Teile der Bahnhofsanlage nutzen und vielleicht sogar übereignet zu erhalten, nun endlich Ergebnisse bringt. Die lange als Damoklesschwert über den Bahnhofsanlagen schwebende Gefahr eines Rückbaus, wie er in unzähligen anderen Bahnhöfen bereits vollzogen wurde, blieb wie durch ein Wunder aus. Der einst wichtige Knotenpunkt lag offensichtlich nach Einstellung der Strecke nach Bad Gandersheim derart abgelegen, daß es selbst die Abbautrupps nur einmal hierher verschlug, nämlich 1996, als gleich vier Weichen ausgebaut wurden. Der verbliebene Rest war trotz guten Zustandes dann doch zu aufwändig, um abgebaut zu werden (in diesem Fall kam die miserabele Finanzsituation der Bahn sicher hinzu). 2001 schließlich wurde die Gesamtanlage auf Grund ihrer Einzigartigkeit auf Betreiben der AHE unter Denkmalschutz gestellt. Von nun an durfte nichts mehr zurückgebaut werden. So blieb in Bodenburg eine umfangreiche Gleisanlage, von der jedoch nur noch das Gleis 2 im Unterhaltungszustand war und befahren werden durfte. Dies führte zu dem Kuriosum, daß ein noch im Jahr 2003 (!) eingesetzter Unkrautspritzzug in Bodenburg nicht umsetzen durfte, da sämtliche erforderlichen Gleisanlagen zwar vorhanden, jedoch nicht bahnamtlich abgenommen waren.
Wie wird es nun weitergehen? Fakt ist, daß die DB Immobilien das Bahnhofsgebäude, sowie einen begrenzten Bereich um das Gebäude seit einiger Zeit zum Verkauf anbietet. Obwohl schon mehrere Interessenten den Bahnhof besichtigt haben, hat sich zu den bisherigen Konditionen nachvollziehbarerweise kein Käufer gefunden. Dies liegt wohl weniger an der Tatsache, daß die Belange das Denkmalschutzes zu beachten sind (keine äußerlich bauliche Veränderung ohne Zustimmung der Denkmalbehörde, Verbleib der Gleise auch auf dem zugehörigen Grundstück), als vielmehr an den in Anbetracht des baulichen Zustandes völlig überzogenen Preisvorstellungen der DB Immobilien. Ebenfalls bezeichnend für die Verkaufsmotivation ist, dass zu den Besichtigungsterminen trotz anderslautender Zusagen seitens DB niemand anwesend war, um das Gebäude vorzuführen. Gute Ansätze einiger Interessenten, unter anderem die Vision einer Wiederbelebung der Bahnhofsgaststätte unter musealer Erhaltung des voll eingerichteten Dienstraumes wurden nicht zuletzt hierdurch zunichte gemacht. Das Angebot der AHE, Gelände und Gebäude für einen symbolischen EURO zu übernehmen, wurde leider bislang mit Hinweis auf den angeblich "hohen Wert der Gesamtanlage" bislang ausgeschlagen. Der Verein wird sich dennoch weiter nach Kräften um die Übernahme -zumindest eines Teils- der Gesamtanlage bemühen.
Es bleibt zu hoffen, dass insbesondere das Bahnhofsgebäude nicht das gleiche Schicksal erleidet wie die Gebäude der ehemaligen Nachbarbahnhöfe (Almstedt-Segeste - Leerstand - Düngerlager, Sibbesse - Leerstand - Vandalismus - Brandübung der Ortsfeuerwehr, Barfelde - Leerstand- Vandalismus - Abriss, Lamspringe - Leerstand - Vandalismus - Abriss,...)
Nachfolgend nun einige Bilder aus der jüngeren Geschichte des Bahnhofs Bodenburg, in den hoffentlich doch eines Tages wieder Züge einlaufen werden -unsere Zukunftsvision!

Bahnhof Bodenburg in den 70er Jahren: Die noch junge "Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V." fand hier mit ihren ersten Fahrzeugen Unterschlupf. Im Bild der Wismarer Schienenbus, der sich den Platz mit den Kleinloks und Bahndienstfahrzeugen der Dienststelle teilen mußte. Der im Hintergrund erkennbare Wasserturm befand sich zeitweise in Vereinseigentum und ist heute zu einem Wohngebäude umgebaut. Der Wasserbehälter wurde leider entfernt. Bedauerlicherweise gelang es bis heute nicht, den dreiständigen Lokschuppen zu erwerben.

Hoher Besuch in Bodenburg: Ein Sonderzug mit 01150 beim Zwischenhalt Anfang der siebziger Jahre. Zu dieser Zeit verirrte sich nur noch selten eine Dampflok nach Bodenburg. Dies sollte die letzte große Schnellzuglokomotive sein, die Bodenburg erreichte.

Die 80er Jahre: Seit 1976 betrieb die "Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V. einen Museumsbahnbetrieb auf dem Reststück der ehmaligen Strecke Bodenburg-Gronau. Seit 1978 wurde mit der Dampflok T3 "Schunter" (DL 16) und einem aus Personenwagen der Reichsbahnzeit bestehenden Zug gefahren.
Hier der Zug bei der Ausfahrt Richtung Segeste (ca. 1988). Im Vordergrund erkennbar die bereits stillgelegte Strecke Richtung Bad Gandersheim.

Für die Bundesbahn war der Bahnhof Bodenburg seit den achtziger Jahren nur noch Endbahnhof. Nicht so für die Almetalbahn, die zwischen 1986 und 1991 an den Betriebstagen einen Mehrzugbetrieb durchführte und Bodenburg wieder zur Umsteigestation zwischen dem von Bad Salzdetfurth nach Bodenburg und zurück verkehrenden Dieselzug (hier der erste Nachmittagszug bei der Einfahrt ca. 1989) und dem zwischen Bodenburg und Almstedt verkehrenden Dampfzug machte!

Beim Betrachten dieser Aufnahme wird erst wieder bewußt, welche Eisenbahnatmosphäre in dieser Zeit des Betriebs in Bodenburg herrschte. Heute ist dort, wo die V20 sich befindet, das Gleis bereits abgebaut (Anfang 1996). Im Falle einer Übernahmemöglichkeit durch die AHE wird es selbstverständlich wieder aufgebaut werden.

Unsere T3 war unzählige Male anläßlich der Betriebstage und diverser Sonderfahrten zu Gast in Bodenburg und prägte fast 15 Jahre lang an vielen Wochenenden das Bild.

Die 90er Jahre brachten viele Verschlechterungen mit sich. Zunächst verschwanden die typischen seit Jahrzehnten im Einsatz befindlichen Akkutriebwagen. Sie wurden zunächst ersetzt durch Wendezüge mit "Silberlingen" mit Diesellokomotiven der Baureihe 212, danach Triebwagen der Baureihe 624. Dann wurde der diesen Bahnhof prägende Rübenverkehr eingestellt, die langen Reihe der Rübenwagen abgezogen. Seit 1991 ruht der Personenverkehr der Almetalbahn. Nachdem 1995 der ansässige Landhandel als letzter Anschließer den Vertrag kündigte, wurden zwischen Dezember 1995 und Februar 1996 der gesamte Zuckerfabrikanschluß, die Drehscheibe, mehrere Weichen im Bahnhofsgelände, sowie Teile der zuvor durch die Personenzüge der AHE genutzten Gleise 4 und 5 zurückgebaut. Alle Gleise bis auf Gleis 2 wurden aus dem Unterhaltungsprogramm genommen und stillgelegt. Seit Mitte der 80er Jahre wurde nicht mehr in die Pflege der Bahnanlagen investiert. In diesem Zustand verblieb der Bahnhof bis zum heutigen Zeitpunkt.
So stellt sich der Bahnhof dem Betrachter heute dar:
Die Natur beginnt wieder Besitz von den Bahnanlagen zu ergreifen. Im Frühjahr 2003 führte die AHE mit Genehmigung der DB-AG Aufräumarbeiten und Unkrautbekämpfungsmaßnahmen im Bahnhofsbereich durch, die halfen, das optische Erscheinungsbild etwas aufzubessern. Weitere Maßnahmen werden seitens des Vereins jedoch erst nach Klärung der weiteren Zukunft der Bahnanlagen ergriffen werden.

Fahrzeuge kommen und gehen: Dieser ehemalige AHE-Personenwagen war im Sommer 2000 das letzte Schienenfahrzeug des Vereins, das auf konventionellem Wege den Bahnhof Bodenburg verließ. Künftig werden Fahrzeugzu- und abgänge nur noch über die Straße möglich sein...
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