Bahnhof Bodenburg vor 30 Jahren
Die folgende Bilderserie zeigt den Bahnhof zum Ende der Dampfära im Herbst 1974.
Der Bahnhof Bodenburg unterhielt zu Glanzzeiten der Dampfzeit eine eigene Lokstation mit dreiständigem Lokschuppen. Fahrgäste konnten von hier in der einen Richtung über Bad Salzdetfurth nach Hildesheim reisen, in der anderen Richtung trennten sich die Strecken nach Bad Gandersheim, bzw. Richtung Elze. Anfang der siebziger Jahre hatte das allgemeine Nebenbahnsterben auch Bodenburg erreicht. So war bereits 1966 der durchgehende Personenverkehr auf der Strecke nach Elze eingestellt worden, 1971 wurde diese Strecke im Abschnitt zwischen Gronau und Sibbesse abgerissen. Ab und an wurde auf dem verbliebenen Reststück noch der eine oder andere Güterwagen an die verbliebenen Anschließer zugestellt. Die Lokstation gab es schon längst nicht mehr, die Dampflokunterhaltungsanlagen waren zwar zum Teil noch vorhanden, der Lokschuppen jedoch bereits an einen Landhändler verkauft, der Wasserturm stand ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Das Bodenburger Wasser gehörte auf Grund seines Härtegrades sowieso nie zu den von den Personalen geschätzten Wassern, so versuchte man immer so weit wie möglich das Wassernehmen hier zu vermeiden. Neben der ehemaligen Bekohlungsanlage wurde zeitweilig eine Dieseltankstelle für die der Bahnmeisterei zugehörigen Fahrzeuge und die hier stationierten zwei (!) Kleindieselloks installiert. Das Abstellgleis Nr.3 wurde genutzt durch die Eisenbahnfreunde des Eisenbahnkuriers und seit 1972 teilten sich die Bm-Fahrzeuge den Stellplatz vor dem Lokschuppen mit den Fahrzeugen der neugegründeten "Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V.".
Hier begegneten sich die Akkutriebwagen der Baureihe 515 auf Gleis 1 und 2 auf der Fahrt nach Bad Gandersheim, bzw. Hildesheim.
Richtig Leben kam im Herbst in den Bahnhof! Der große Anschließer, die Zuckerfabrik Östrum mit einem eigenen Verschiebebahnhof erhielt während der Rübenkampagnen regelmäßig Ganzzüge mit Rübenwagen zugestellt, die hier verarbeitet wurden. 1974 wurde die Zuckerfabrik stillgelegt und Östrum fungierte nur noch als Verladestation. Hierdurch kamen ab jetzt Leerzüge nach Bodenburg, die hier befüllt und von Dampflokomotiven der Baureihen 50 und 52 wieder abgeholtund nach Baddeckenstedt gebracht wurden. Die Übergabe der Waggons zum DB-Bahnhof erfolgte mit zwei werkeigenen Diesellokomotiven.
In den siebziger Jahren also schien hier zwar die Welt noch einigermaßen in Ordnung zu sein, doch schon damals kursierten Gerüchte über eine baldige Stillegung der Bahnhofsanlagen. Daß es schließlich bis zum 16. Dezember 2003 dauern sollte, grenzt fast an ein Wunder und bestärkt unseren Verein in seiner Anstrengung, die verbliebenen Reste dieser Zeit der Nachwelt zu erhalten.
Alle Bilder: G. Prikowski
Blick auf die Bahnhofsausfahrt Richtung Bad Salzdetfurth.
Vor dem Lokschuppen wartet ein KLV 51 auf seinen nächsten Einsatz.

Dieser kleine Lokschuppenanbau diente der neugegründeten "Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V." als erstes Vereinsdomizil.

Bei noch strahlendem Sonnenschein läuft der Mittagszug aus Richtung Bad Gandersheim auf Gleis 2ein, der hier eine Kreuzung mit dem auf Gleis 1 wartenden Gegenzug hat.

Wenige Stunden später hat sich das Wetter leider drastisch verschlechtert, bei strömenden Regen ist die Hildesheimer 052 383-4 auf Gleis 1 eingelaufen, um dem auf dem Zuckerfabrikgelände Östrum beladenen Rübenzug vorzuspannen und nach Baddeckenstedt zu bringen. Auf Gleis 2 wartet eine 515/815- Einheit auf die Weiterfahrt nach Bad Gandersheim.

Lok 2 der Zuckerfabrik, ein in den 60er Jahren neubeschaffter zweiachsiger Stangendiesel, drückt den Zug am Lokschuppen vorbei auf Gleis 5 des Bodenburger Bahnhofs. Für diese Übergabedienste war die Maschine auf den DB-Gleisanlagen des Bahnhofs Bodenburg zugelassen.

Wenige Minuten später hat sich die 52er vor den Zug gesetzt. Auch der Akkutriebwagen wird in gleich in Richtung Bad Gandersheim ausfahren.

Trotz des sehr trüben Wetters ein Motiv mit Atmosphäre.

Ein kurzer Pfiff und der Rübenzug setzt sich langsam in Bewegung. Die Maschine wird nicht schwer zu arbeiten haben- geht es doch zunächst Richtung Groß Düngen kontinuierlich bergab. In Groß Düngen wird dann umgesetzt und der Zug anschließend Richtung Baddeckenstedt gezogen.
(Wobei das Personal dann wohl endlich gemerkt hat, daß die Schlußscheibe noch vorne an der Spitze hing...)
Im Jahr 1991 wurde der Rübenverkehr auf der Schiene leider mit der Begründung der zu hohen Erhaltungskosten der ausschließlich für diese Zwecke betreitgestellten Rübenwagen durch die Bundesbahn eingestellt, was eine weitere Belastung der Land- und Bundesstraßen zur Folge hatte. Damit verschwanden auch die über den Sommer auf den Gleisen 4 und 5 abgestellten Rübenwagenzüge aus dem Bahnhof Bodenburg. Da auch die Almetalbahn 1991 ihren Fahrbetrieb bis Bodenburg einstellen mußte, blieben die Gleise von nun an ungenutzt und wurden Anfang 1996 teilweise rückgebaut. Im Falle einer Übernahme der Bahnhofsanlagen durch die AHE würden diese Gleise wieder ergänzt werden.
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