Wohl kaum jemand hätte im Jahr 1976 mit einer Wiederbelebung und völligen Umgestaltung des kleinen stillgelegten Landbahnhofs "Almstedt - Segeste" mit seinem von Dreck und Unkraut überdecktem Umfahrgleis (die übrigen Nebengleise zum ehemaligen Kalkwerk waren schon in den 50er Jahren abgebaut worden) und dem verfallenden, vom ortsansässigen Landhandel als Düngerlager genutzten Stationsgebäude gerechnet, als einige Mitglieder der noch jungen "Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V." (kurz AHE) die Strecke Bodenburg - Sibbesse von der DB übernahmen. So etwas hatte es bis dahin noch nie gegeben: Die wenigen bestehenden Eisenbahnvereine fuhren alle auf nicht eigenen Strecken. Auch die AHE hatte bis zu diesem Zeitpunkt lediglich zwei Gleise im benachbarten Bf Bodenburg angemietet. Durch Verhandlungsgeschick des AHE - Vorstands und verständnisvolle Verhandlungspartner seitens der DB war es gelungen, die Strecke zu erhalten.
So begannen sie zunächst damit, die vom Unkraut überwucherten Gleise im Bahnhofsbereich wieder freizulegen. Nach Verhandlungen mit dem Eigentümer des Stationsgebäudes, dem Landhandel, einigte man sich auf einen Pachtvertrag. Der gelagerte Dünger wurde entfernt und die Museumsbahner begannen mit den ersten Renovierungsarbeiten, die sich vom Ersetzen zerbrochener Scheiben über das Schließen eines vom Landhandel zur "Beschickung" in die Vorderwand des Gebäudes geschlagenen Loches bis hin zum Streichen von Fenster- und Türrahmen und Wiederherstellung des Innenausbaus erstreckten. Die Fensterrahmen und Türblätter mußten in der gesamten näheren Umgebung, zum Teil aus den Bahngräben, wieder zusammengesucht werden.
Gleichzeitig wurde das übrige Gelände jedoch auch nicht vernachlässigt, so daß um 1977 das Bahnhofsumfeld wieder ein recht ordentliches Aussehen erlangt hatte.
Bedauerlicherweise wurde das Stationsgebäude in diesen ersten Jahren der Renovierung immer wieder Opfer der sinnlosen Zerstörungswut einiger Unverständiger, die nicht den Arbeitsaufwand sahen, den die wenigen Aktiven - im Schnitt 5 Leute - in das Werk investiert hatten.
Abgesehen von solchen Attackierungen, die oft ohne weiteres die Arbeit mehrerer Samstage zunichte machten, entstand mit zunehmender Fahrzeug- und Ersatzteilbeschaffung ein weiteres Problem: Bei einem Eisenbahnbetrieb fallen viele Kleinteile an, die irgendwo eingelagert werden müssen. Ende der 70er Jahre stand dem Verein, abgesehen von einem angemieteten Raum in der "Almstedter Mühle", einem Nebenraum im Bodenburger Lokschuppen und einem Güterwagen kein Teilelager zur Verfügung. Die unumgängliche Folge war, im Stationsgebäude Almstedt Teile einzulagern. Dabei blieb ein Raum frei und wurde weiterhin als Dienst- und Aufenthaltsraum genutzt und leidlich erhalten. Die übrigen Räume dienten wiederum als Lager. Wetterfeste Teile und solche, die nicht sehr wertvoll waren, lagerten draußen zwischen Haupt- und Umfahrgleis. Dennoch waren Diebstähle und Einbrüche an der Tagesordnung, und es ließe sich bald ein eigenes Buch über all die Gegenstände schreiben, die während dieser ersten Zeit dem Verein entwendet wurden.
Bf Bodenburg Mitte der 70er Jahre:
Der vereinseigene Wismarer Schienenbus abgestellt vor dem Lokschuppen. Hier teilte sich die AHE den Platz mit DB-Maschinen vom Bw Hildesheim oder Bahnmeistereifahrzeugen. Der Lokschuppen ist zu diesem Zeitpunkt bereits an einen Landhandel verkauft und dient als Düngerlager.

Hierzu ist anzumerken, daß in den ersten Jahren des Vereinsbestehens der Schwerpunkt der Arbeit in der Fahrzeugherrichtung und im Fahrbetrieb bestand. Sämtliche Fahrzeuge mußten unter freiem Himmel aufgearbeitet werden, es gab keine sanitären Anlagen und nicht einmal einen Stromanschluß. Das Licht im Stationsgebäude wurde von einer Autobatterie gespeist und der restliche Strom durch ein etwas überdimensioniertes 33 kW Notstromaggregat, das einen Höllenlärm produzierte und deshalb nur wenn unbedingt nötig angelassen wurde, erzeugt. Eine mit dem heutigen Zustand auch nur annäherend vergleichbare museale Einrichtung hat es im Gebäude zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben. Optisch gesehen wurde das Stationsgebäude "erschlagen" durch riesige Getreidesilos, die der Landhandel in direkter Nachbarschaft erbauen ließ. Diesem Landhandel stand das Stationsgebäude sowieso im Weg, so daß mit dem Abriß zum Auslauf des Pachtvertrages im Jahr 1991 gedroht wurde.
Das Stationsgebäude noch an seinem alten Platz. Im Vordergrund erkennbar die alte Getreideverladeanlage (abgerissen 2000)
Da dieser Gesamtzustand des Bahnhofsgeländes natürlich auch aus anderen Gründen keine endgültige Lösung sein konnte, stellte der damalige Betriebsleiter Pläne zur Umgestaltung auf. Die Grundidee war die Schaffung eines Betriebsmittelpunktes mit kleiner Lokstation zwischen den damaligen Endstationen Bodenburg und Sibbesse. Das Bahnhofsgelände wurde aufgemessen und bald war eine Variante gefunden, die dem heutigen Zustand schon recht nahe kommt: Das Stationsgebäude sollte um etwas 150 m und gespiegelt auf die andere Gleisseite auf eine Teilfläche des ehemaligen Kalkwerkgleisanschlusses, die der Verein mittlerweile zusätzlich gekauft hatte, versetzt werden. Außerdem waren weitere Abstellgleise vor dem Gebäude und ein zweiständiger Lokschuppen geplant.
Die Pläne waren fertig und genehmigt, jetzt begann der schwierigere Teil: Die Aktiven, nur in sehr begrenzter Zahl vorhanden (im Schnitt 5 - 10 Leute), hatten zwar schon Erfahrung im Auswechseln von Einzelschwellen und dergleichen, ganze Gleisjoche und sogar Weichen neuverlegt hatten sie jedoch noch nicht. Doch auch hier sollte Übung den Meister machen!

Ende 1983 traf die AHE unerwartet ein schwerer Schlag: Die Bundesbahn hatte das noch in ihrem Eigentum befindliche Reststück von Kilometer 5,05 bis Bahnhof Sibbesse der Forstgenossenschaft als Ausgleichsfläche für die bei Sibbesse geplante Neubaustrecke Hannover - Würzburg übereignet. Die Forstgenossenschaft hatte nicht Eiligeres zu tun, als den vorhandenen Oberbau abreißen und verschrotten zu lassen. Dank des Verhandlungseinsatzes des Vorstandes gelang es dem Verein, wenigstens eine Linksweiche aus Bahnhof Sibbesse zu "retten". Diese wurde am 17. Dezember 1983 mit Hilfe eines Autokrans bei Eis und Schnee demontiert, auf den vereinseigenen Flachwagen verladen und nach Almstedt transportiert, wobei der Triebwagen VT 95 als Zugfahrzeug diente, da sich bei diesen Frosttemperaturen kein anderes Fahrzeug "erweichen" ließ, anzuspringen. Doch der VT 95 machte seine Sache gut, die Aktion verlief reibungslos!
Damit waren aufgrund der frostigen Temperaturen und anderer wichtigerer Aufgaben (Abfuhr der restlichen Besitztümer der AHE aus Sibbesse) die Gleisbauarbeiten für das Jahr 1983 beendet.
Anfang 1984 war es dann soweit: Mit Muskelkraft und Hilfe des neuangeschafften Baggers ATLAS 1200 demontierten die Mitglieder einige Joche des Durchfahrgleises und planierten den Untergrund, der noch aus der Entstehungszeit der Strecke stammte und, im Gegensatz zu heutigen Strecken, nur aus Kies bestand. Die immer noch auf dem Flachwagen lagernde Linksweiche wurde Stück für Stück abgeladen, wobei die Teile den Aktiven schwer, im wahrsten Sinne des Wortes, zu schaffen machten. Nachdem die Weichenteile glücklich abgeladen waren, wurden sie mit Greifzügen an ihre vorbereiteten Plätze gezogen. Diese Knochenarbeit, die nur ein daran Beteiligter nachempfinden kann, mußte so präzise wie möglich ausgeführt werden. Die anfängliche Angst, man könnte die Einzelteile aus irgendwelchen Gründen nicht wieder vorschriftsmäßig verlegen, erwies sich schnell als unbegründet: Dank guter Vorplanung und des problemlosen Ablaufes beim Einbau war im Februar 1984 bereits die erste Weiche endgültig verlegt und somit ein Grundstock für die weitere Bahnhofsumgestaltung geschaffen.
Abriß der Bahnsteigkante mit dem neubeschafften Bagger ATLAS 1200
Bereits Mitte der 70er Jahre hatten Vereinsmitglieder zwei Weichen und einige Gleisjoche aus dem Werksanschluß der Zuckerfabrik im Bahnhofsbereich von Gronau abgebaut und dort auf der ehemaligen Ladestraße zwischengelagert. Dieses Gleismaterial wurde nun in Almstedt benötigt, und zwar sowohl für die geplanten Abstellgleise, als auch für die neuzubauende Gleisverbindung zwischen Haupt- und Umfahrgleis.
Die Fläche für die Abstellgleise auf dem alten Kalkwerksgelände wurde planiert und das östliche Ende des Mittelbahnsteiges mit Hilfe des Baggers beseitigt, um Platz für die oben erwähnte Gleisverbindung zu schaffen.
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