Bahnhof Bodenburg übernommen
Zum Jahreswechsel 2005/2006 wurden die langwierigen Verhandlungen mit der DB Netz über einen Gestattungsvertrag für die Gleisanlagen des Bahnhofs Bodenburg mit dem Erfolg der Vertragsunterzeichnung gekrönt. Vorangegangen waren etliche Vorentwürfe und Nachbesserungen, jedoch ist sicher, dass mit dem vorliegenden Vertrag für alle Beteiligten das den Umständen entsprechend Maximale erreicht wurde. In diesem Zusammenhang ist auch das entgegenkommende Verhalten der DB Netz besonders hervorzuheben, bei der man offensichtlich früh erkannte, dass dieses Areal schwer vermarktbar ist und nur weitere Kosten verursacht, wenn sich niemand um den Erhalt kümmert. Insofern macht sich die Instandhaltung, zu der sich die AHE im Gegenzug verpflichtet hat, auch für die DB Netz bezahlt. Anders sah man dies leider auf Seiten des Verhandlungspartners DB Immobilien, die das ehemalige Empfangsgebäude vermarkten soll (allerdings bislang ohne Erfolg). Auch hier versuchte man seitens der AHE , einen Vertrag über eine Nutzung gegen Sanierung und Erhalt des Gebäudes zu vereinbaren. Angeboten wurden jedoch lediglich Mietvertragsentwürfe, die Klauseln enthielten, die für keinen Mieter akzeptabel wären. Nachdem die DB Imm im Frühjahr 2005 erkannte, dass man seitens der AHE nicht Willens war, dies so zu unterzeichnen, wurden die Verhandlungen einseitig für gescheitert erklärt. Gleichzeitig wurde der noch von der AHE angemietete Gaststättenteil des Empfangsgebäudes gekündigt und dem Verein ein Monat Zeit gegeben, diesen besenrein zu übergeben. Es blieb also nicht anderes übrig, als den Teil zu räumen. Das gesamte zu diesem Zeitpunkt noch vollständig vorhandene Mobiliar des Dienstraumes wurde in den Müllcontainer befördert. Das leerstehende Gebäude wurde kurz darauf mit Stahlplatten hermetisch abgeriegelt, so dass zwar die Gefahr ungebetener Besucher gemindert ist, jedoch sich nun sicher kein Kauf- oder Mietinteressent mehr finden wird. Abgesehen davon, dass das Gebäude im jetzigen Zustand nicht den Auflagen des Denkmalschutzes entspricht, hätte wirtschaftlich gesehen die DB Imm viel Geld gespart, wenn man dem Verein das Gebäude zur Nutzung überlassen hätte. So muss nun auf unabsehbare Zeit einmal pro Woche jemand von der DB Imm extra den Bahnhof anfahren, um nach dem Rechten zu sehen und ggf. für die Instandhaltung aufkommen.
Die AHE hat sich diesen Ausgang so nicht vorgestellt, wollte man doch ursprünglich die komplette Bahnhofsanlage inklusive der funtkionstüchtigen Formsignale der Nachwelt erhalten. Das Gebäude jedenfalls sieht einer ungewissen Zukunft entgegen, die nicht gerade auf Besserung hoffen lässt, zu viele andere Empfangsgebäude teilen das traurige Schicksal des EG Bodenburg.
Aber auch ohne das Gebäude ist der Erhalt und die Möglichkeit der Nutzung der Gleisanlagen eine ganz wichtige Voraussetzung und Motivation für den Verein, die Strecke nach Bodenburg wieder zu sanieren und in Betrieb zu nehmen. Ohne einen zweiten Endbahnhof hätte sonst die Strecke genauso traurig an der Grundstücksgrenze bei Streckenkiometer 0,7 geendet, wie auf der anderen Seite bei Streckenkilometer 5,05. Eine kostspielige und arbeitsintensive Sanierung wäre damit fragwürdig geworden.
Wie geht es nun weiter in Bodenburg?
Zunächst wird der Bahnhof von der üppig ausgeuferten Vegetation befreit. Dazu gehört der Grünschnitt im direkten Gleisbereich, sowie auf den Bahnsteigen. Parallel läuft das Bauantragsverfahren zur Nutzung der Gleisanlagen für den Museumsbahnbetrieb. Nach dessen Abschluss wird feststehen, welche Auflagen und zusätzlichen Baumaßnahmen hier noch umgesetzt werden müssen. Mittelfristig sollen die 1996 rückgebauten Gleisbereiche wieder ergänzt werden. Das nötige Material konnte bereits bei der Ilmebahn abgebaut und transportfertig gelagert werden. Bis zu Fertigstellung der Strecke nach Bodenburg (geschätzter Zeithorizont 5-8 Jahre) wird das Gelände in dem beschriebenen Zustand gehalten. Nach der Streckensanierung soll Bodenburg als Endbahnhof im Zuge der Bahnhofsfeste mit den Museumszügen angefahren werden. Auch Sonderveranstaltungen im dortigen Bahnhofsgelände sind denkbar, da sich hier bedingt durch die vielen Parallelgleise neue Möglichkeiten gegenüber Bf Almstedt auftun. Der Betriebsmittelpunkt wird aber auch in Zukunft Almstedt bleiben. Inwieweit jemals die Möglichkeit besteht, auf den im Eigentum des Landhandels befindlichen Lokschuppen zuzugreifen, und ob dies dann überhaupt noch Sinn macht, bleibt abzuwarten.
Folgend nun einige Bilder, die den momentanen Zustand des Geländes zeigen:
Das Empfangsgebäude, hier allerdings noch vor der "Verschönerung" mit Stahlplatten vor sämtlichen Tür- und Fensteröffnungen. Schade ist es allemal um das Gebäude, wobei man aber auch nicht den enormen Arbeits- und Finanzaufwand vergessen darf, ein solches infolge jahrzehntelanger Vernachlässigung bereits substanziell geschädigtes Gebäude wieder instand zu setzen.
Die hier noch kompletten Spannwerke, die zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen durch die DB entspannt wurden, indem man die Zugdrähte kappte. So wird es voraussichtlich leider nie mehr möglich sein, die seilzugbetriebenen Weichen und Formsignale praktisch vorführen zu können.
Der dahinter befindliche Zaun symbolisiert den derzeitigen Gesamtzustand des Geländes.

Dies ist der ehemalige Bahnübergang, mit dessen Rückbau der Anschluss an die "große, weite Welt" endgültig abgeschnitten wurde. Für den Verein hat dieser Inselbahnstatus jedoch einige betriebstechnische Vorteile, da man z.B. die im übrigen DBAG-Bereich sich in Zukunft ändernden Standards (Bahnsteighöhen, etc.) nicht übernehmen muss.
Blick auf die 1996 zurückgebauten Gleise 4 (links) und 5 (rechts). Bei Gleis 4 hat man freundlicherweise die Betonschwellen liegengelassen, so dass hier lediglich neue Schienen aufgelegt werden müssen. Gleis 5 ist jedoch in weiten Teilen komplett abgebaut. Diese Gleis dienten bis 1991 der Abstellung von Rübenwagen, sowie an den Betriebstagen der AHE als Betriebs- und Umsetzgleis.

Gleis 4 und 5 in die andere Richtung gesehen. Hier wird einiges an Gleismaterial verbaut werden müssen, um den Ursprungszustand wiederherzustellen.
Auf der anderen Bahnsteigseite liegen noch komplett erhalten die Gleise 1 und 2. Nachdem jahrelang das Gleis 1 zum Hausbahnsteig befahren wurde, diente in den letzten Betriebsjahren das Gleis 2 als Einfahrtsgleis (auf diese Weise konnte die Weiche zu Gleis 1 auf "geradeaus" festgelegt werden). Sämtliche Gleise ausser Gleis 2 wurden offiziell aus der Unterhaltung genommen und durften nicht mehr befahren werden.
Dies ist der oben erwähnte dreiständige Lokschuppen. Die dazugehörige Drehscheibe wurde durch den Landhandel 1996 verschrottet. Die Drehscheibengrube ist heute noch erkennbar. Die Zukunft dieses Schuppens, der seit Jahrzehnten als Düngelager genutzt wird und hierdurch sicher bereits stark in seiner Substanz angegriffen ist, bleibt weiter unklar. Ebenso wie der links erkennbare sanierte Wasserturm steht er unter Denkmalschutz.
Im Vordergrund liegen auf dem ehemaligen Anschlussgleis zur Zuckerfabrik die Reste der einst im Bahnübergang eingebauten Gleise und Einlegeplatten.

Der Blick vom gleichen Standpunkt in die andere Richtung. Zu erkennen sind die Gleise 1 und 2, das EG, Hausbahnsteig und rechts unter den Bäumen die Trasse der ehemaligen Verbindung zu Gleis 4 und 5.
Das andere Bahnhofsende, Blick aus Richtung Bad Gandersheim auf das ehemalige Einfahrtsgleis 2.
Rechts erkennbar der ansässige Landhandel.
Auch hier beginnt die Natur langsam Besitz von den Anlagen zu ergreifen.
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