Posten 243 - oder die Schrankenwärterbude
Der folgende Bericht ist der Beweis, dass sich durchaus auch im Jahr 2010 mit etwas Glück an entlegenen (Ost-)Strecken der DB AG die eine oder andere Rarität aus längst vergangenen Epochen finden lässt. Schon seit Jahren plante man, einen unsere Museumsbahnstrecke querenden Feldweg stilecht mit einer handbetätigten Schrankenanlage auszustatten. Während die Böcke und Kurbeln bereits in den 1970er Jahren geborgen werden konnten und zurzeit technisch und optisch auf den Einbau vorbereitet werden, fehlte es immer noch an einer stilechten Wärterbude. Offensichtlich dachten unsere Vorfahren wirtschaftlich, als sie eine schlichte Einheitswellblechhütte mit Tonnendach entwickelten, die in Elementen vorgefertigt angeliefert und auf einem einfachen Fundament in kurzer Zeit aufgebaut werden konnte. Die universell einsetzbaren Hütten erfreuten sich schnell großer Beliebtheit und waren Anfang des vorigen Jahrhunderts auf fast jedem Bahnhof zu finden. Alleine im Bahnhof Bodenburg lassen sich anhand alten Bildmaterials an drei Stellen bauartgleiche Wellblechbuden nachweisen.
Bereits 1998 hatte der heutige Vorsitzende Claus Dieckow in Hachelbich (Thüringen) eine derartige Hütte entdeckt. Leider war es damals nicht möglich, die Hütte von der DB AG zu erhalten, stattdessen wurde ein Jahr später das gesamte fast vollständig erhaltene Bahnhofsensemble dem Erdboden gleichgemacht.
Nach einer ca. 5-stündigen Hinfahrt erreichten wir am 14. Dezember 2010 mittags den mutmaßlichen Standort der Bude - und richtig: dort stand sie noch immer, leider jedoch etwas eingeschneit.

Nachdem man mit Hilfe eines Schneeschiebers den ca. 50 m langen Zufahrtsweg freigelegt und mit dem freundlichen Kollegen der DB AG die Formalitäten bezüglich unseres Aufenthaltes im Gefahrenbereich der Gleisanlage geklärt hatte, konnte es losgehen. Zunächst wurde die etwas aus den Fugen geratene Bude mit Spanngurten stabilisiert.

Das Wellblechdach wurde sicherheitshalber demontiert und seitlich zwischengelagert.

Glücklicherweise gehörte diese Bude nicht zu den fest auf einem Betonfundament gegründeten Exemplaren. Dies erleichterte uns die Demontage, bzw. das Abheben ungemein.

Der Boden besteht aus erstaunlich gut erhaltenem Eichenholz. Daher fiel die Entscheidung auch nicht schwer, den Boden gleich mitzunehmen.

Nach ca. 2 Stunden war es geschafft, die Bude stand auf der Ladefläche. Glücklicherweise passte sie in der Breite genau zwischen die Bordwände. Ansonsten verlief die Verladeaktion nicht ganz komplikationslos, da die Bude nach dem Ausbau des Bodens und des Daches erhebliche Stabilitätseinbußen aufwies und trotz der Spanngurte während des Verladens auseinanderzufallen drohte.

Dieser schneelose Fleck war denn auch alles, was an das Vorhandensein des Posten 243 erinnerte.

Die Rückfahrt dauert erheblich länger, als die Hinfahrt: Wir hatten insbesondere auf der "B6 N" erheblichen Gegenwind und außerdem eine "Schrankwand" geladen, die dem LKW jegliche Aerodynamik nahm und ihn trotz Vollgas auf Spitzengeschwindigkeiten von gerade 65 km/h brachte. Aber irgendwann am späten Abend war die Heimat glücklich erreicht. Das Abladen sparte man sich jedoch für den nächsten Tag auf.

Mit unserem Gleishublader "Hubi" war das Umsetzen der Bude von der LKW-Ladefläche auf den SKL-Anhänger dann in kurzer Zeit erledigt. Klar war jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits, dass die Bude im Zuge der Restaurierung komplett zerlegt werden müsste.

Da die Spanngurte wieder anderweitig gebraucht wurden, nahm man dies gleich zum Anlass, die Bude in ihre Einzelteile zu zerlegen und gestapelt auf dem SKL-Anhänger bis zur Aufarbeitung einzulagern.
Die zeitnahe Aufarbeitung der Bude ist geplant. Ob das an etlichen Stellen durchgerostete bombierte Dachwellblech zu retten sein wird, bzw. komplett ersetzt werden muss, ist noch nicht entschieden. Wir sind auf jeden Fall froh, dieses bahntypische Gebäude für unseren Museumsbahnhof gerettet zu haben.
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