"Organspende" für VL 12
Im Herbst 2003 wurde die VL 12 (WR 200B14 ex. Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn Nr. "DL 216") vom VBV Braunschweig erworben. Da diese Maschine neben einem Getriebeschaden auch keinen Motor mehr besaß, begab man sich auf die Suche nach einem Motor vom Typ MaK M24, einem langsamlaufenden 6 Zylinder-Reihendieselmotor, wie er auch in der baugleichen Vereins-V20022 (VL 6)Verwendung findet. Da geplant ist, die beiden Maschinen wieder in Doppeltraktion mit Verbindungswelle einzusetzen, wurde ein bauartgleicher Motor gewählt. Die Suche nach einem solchen Exemplar gestaltete sich bedeutend schwieriger und langwieriger als erwartet. Der M 24 wurde nicht nur in den verbliebenen DB-V20 verwendet, sondern auch in der MaK- Loktyp 240B, die kleinste zweiachsige Variante des erfolgreichen Baukastenprogramms der Kieler Firma. Nach Kontaktaufnahme mit der Nachfolgefirma Vossloh konnte die ursprünglich als Ausstellungslok auf dem Werksgelände vorgesehene V1 der Uetersener Eisenbahn als Ersatzteilspender erworben werden. Die Pläne mit der Ausstellung hatten sich übrigens schon Jahre vorher zerschlagen, so dass die Maschine gemeinsam mit einer kleinen DWK-Rangierlok und einigen Güterwagen ungeschützt den Witterungseinflüssen ausgesetzt ein trauriges Dasein fristete. So war es unsere traurige Aufgabe, eine komplette Lokomotive sofort nach dem Erhalt zum Ersatzteilspender zu machen und danach zu zerlegen. Wenigstens taten wir es für einen guten Zweck, nämlich die VL 12 in absehbarer Zeit wieder zum Leben zu erwecken. Per Tieflader ging es vom Vossloh-Gelände durch die Kieler Innenstadt zum Schrottplatz, wo die Zerlegung begann. Neben dem -leider defekten- Motor wurden noch das Turbo- und Wendegetriebe, der Luftpresser, Kühler und diverse Kleinteile geborgen. Die Aktion dauerte insgesamt 4 Tage und war bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, Schneesturm und den permanenten Schrottplatzlärm alles andere als angenehm. Aber am Ende hatte es sich doch gelohnt. Genauso wie man beim VBV der Meinung war, eine Lokomotive mit Totalschaden am Getriebe verkauft zu haben, wettete man bei Vossloh, dass der Motor nie mehr auch nur eine Umdrehung aus eigener Kraft machen würde. Nun, die VL 12 hat sich inzwischen nach einigen Reparaturen schon wieder aus eigener Kraft bewegt und das mit dem Motor wird sich noch zeigen...

Nach einer kniffligen Zirkelei unter einer Hochleitung hindurch konnte die MaK-Lok von ihrem Gleis abgehoben und zum bereitstehenden Tieflader verschwenkt werden.

Noch einmal zwei interessante Ansichten der am Haken hängenden Maschine unmittelbar vor der Verladung.

Das "Austellungsgleis" nach Beendigung der Aktion: Der Prellbock wurde um eine Loklänge nach hinten unmittelbar vor die DWK-Rangierlok gesetzt. Diese zogen wir vorher zurück unter die Hochleitung vor den Güterzug, wo ehemals die MaK gestanden hatte.

Nach einer halbstündigen Fahrt durch die Kieler Innenstadt hatte der Transport das Gelände der Schrottfirma "KSK" am Hafen erreicht. Hier hebt der Kran die Maschine gerade vom Tieflader. In Anbetracht der bevorstehenden Zerlegung wurden die Seile einfach an den Puffern angeschlagen. Trotz dieser rauhen Behandlung erlitt die Machine keinerlei Blessuren, was bei einer frisch lackierten Lok natürlich sofort passiert wäre...

Eine letzte Aufnahme der schwebenden Lok kurz vor dem etwas unsanften Absetzen auf dem Betonboden des Schrottplatzes. Es gehörte schon einige Überwindung dazu, diese äußerlich noch intakte Maschine zu zerlegen, aber der Zweck heiligt ja bekanntermaßen die Mittel...

Angekommen. Kaum wieder festen Boden unter den Rädern, begann sofort die Demontage der ersten Teile.

Hier schon zu erkennen die ersten Löcher in den Motorvorbauten. Hier waren die Klappen für die Sandeinfüllöffnungen, die wir gut gebrauchen konnten und herausschnitten.

Links die markante Vorderansicht und rechts Michael beim Herausbrennen einer weiteren Sandeinfüllöffnung.

Damit wir ja nicht vergaßen, dass es eigentlich noch Winter war, hatte uns das Wetter neben frostigen Temperaturen schließlich auch noch einen regelrechten Schneesturm präsentiert, der das Arbeiten auf dem ohnehin schon zugigen und lauten Gelände noch mehr zur Tortur werden ließ.

Am Ende des ersten Tages hatten wir bereits sämtliche Führerstandseinrichtungen, die Luftanlage und etliche Motorteile demontiert.Tatsächlich sollte es jedoch noch drei ganze Tage dauern, bis man den Motorblock und vor allem das Wendegetriebe endlich ausgebaut hatte. Zum Glück zeigte die Schrottfirma viel Entgegenkommen, so dass letzlich alles relativ reibungslos verlief.
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