Der Museumsbahnhof Almstedt-Segeste (2)
Mit den ersten Strahlen der Morgensonne beginnt an diesem Tag die Verladeaktion im Bahnhof Gronau /Leine.
An einem klaren, frostigen Märzmorgen trafen sich etwa 10 Aktive in Gronau/Leine. Bald darauf trafen ein Autokran und zwei Tieflader ein. Stück für Stück verlud der Kran die Weichenteile. Für die Mitglieder, die zuvor nur gewöhnt waren, Fahrzeugneubeschaffungen für den Verein auf Tieflader zu verladen, eine ganz neue Erfahrung...
Nachdem die Teile verladen waren, ging es mit Polizeieskorte (wegen der Überbreite!) in Richtung Almstedt, wo sich die Verladeprozedur in umgekehrter Reihenfolge wiederholte: während einige Weichen- und Schienenteile auf der Fläche der ehemaligen Anschlußgleise des alten Kalkwerkes abgeladen wurden, legte der Kran die übrigen Weichenteile der zukünftigen Verbindungsweiche in die zuvor dafür geschaffene Gleislücke. Das endgültige Ausrichten, Montieren und Stopfen dieser Teile blieb jedoch an den folgenden Arbeitssamstagen den Greifzügen und dem Bagger vorbehalten. Doch wie man heute sieht, wurde auch diese Aufgabe mit Bravour gemeistert!

"Das soll einmal eine Weiche werden ?!" Lagebesprechung während des Abladens.
Inzwischen hatte die Fahrsaison begonnen, keine Zeit also, um die zweite Anschlußweiche zwischen Haupt- und Umfahrgleis einzubauen, die, von der Bundesbahn erworben, immer noch in Bodenburg auf ihren Abtransport wartete.
Während seines Urlaubs hatte Wolfgang Dieckow im Harzstädtchen Bad Grund den Lokschuppen der lange stillgelegten Kleinbahn "Gittelde-Bad Grund" entdeckt und sich bei der Stadtverwaltung nach einem Verkaufsangebot erkundigt. Die Stadt teilte mit, daß sie einen Abriß des leerstehenden und langsam verfallenden Gebäudes beabsichtige, der Verein es jedoch kostenfrei erhalten könne, wenn er selbst für den Abriß und Abtransport noch im gleichen Jahr sorge. Da es sich um eine Fachwerkkonstruktion handelte, sah man seitens des Vereins keine größeren Schwierigkeiten, zumindest was den Abriß betraf.
In diesem Zustand wurde der Lokschuppen in Bad Grund / Harz vorgefunden.
Am 3. November 1984 war es dann soweit: Die Aktiven trafen sich - wieder einmal zur "besten" Jahreszeit - in Bad Grund, um einen sieben Wochenenden dauernden Kampf gegen die Naturgewalten (Eis und Schnee), herauszuschlagende Gefache, herabfallende Dachschalung und umstürzende Binder zu führen. Doch Ende Dezember war es endlich geschafft, und ein kleiner Haufen Aktiver stand im Schneetreiben und bei Temperaturen weit unter der Frostgrenze erschöpft aber zufrieden mit dem Erreichten vor einem Haufen aufgestapelter und nummerierter Balken, die nur noch auf ihren Abtransport warteten.
Nachdem ein Fuhrunternehmer gefunden war und die Balken nach Almstedt transportiert hatte, wurden sie feinsäuberlich gestapelt und mit Planen gegen die Witterung geschützt.
Das Jahr 1984 war somit für den Verein ein leistungsmäßig sehr erfolgreiches Jahr gewesen: Man hatte zwei neue Abstellgleise geschaffen und besaß einen zwar nur einständigen, mit 33m recht langen, jedoch noch zerlegten Lokschuppen, für den allerdings nach den bisherigen Planungen überhaupt kein Platz zur Verfügung stand...

Die zwei neuen Abstellgleise während der Bauarbeiten. Noch sind sie nicht verlascht und ausgerichtet...
(Sommer 1984)
Wieder saß man gemeinsam über den Plänen, fand aber zunächst keine zufriedenstellende Lösung. Man hätte den Schuppen aus Platzgründen um etwa ein Drittel kürzen müssen, so daß maximal die beiden Dampflokomotiven Platz gefunden hätten.
Schließlich kam Peter Leinemann die rettende Idee: "Das bisherige Hauptgleis wird unterbrochen und verschwenkt, und das bisherige Umfahrgleis wird zum neuen Hauptgleis, während das verschwenkte Gleis im Schuppen endet."
Auf diese Weise wäre ein Aufbau des Lokschuppen in voller Länge und damit mehr Unterstellfläche möglich. Dieser Vorschlag erwies sich tatsächlich als einzig realisierbarer Weg und wurde später auch so umgesetzt, wie unterstehend dargestellt:
1985 war nicht nur das Jubiläumsjahr der deutschen Eisenbahn, sondern auch das Jahr der "Exkursionsfahrten" für einige unserer Fahrzeuge. So fanden Fahrten in Wittingen und Kreiensen statt. Deshalb wurde in der ersten Hälfte des Jahres das Hauptaugenmerk auf die optische Erscheinung und technische Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge gerichtet. Im Laufe der Saison waren außerdem umfangreichere Streckeninstandhaltungsarbeiten (Schwellenwechsel, Schottern) nötig. In dieser Zeit geschah im Bahnhof Almstedt entsprechend wenig. Daß im Herbst 1985 dann doch die letzte Weiche für das Verbindungsgleis in einer wahren "Hau-Ruck-Aktion" an einem einzigen Samstag eingebaut werden konnte, hat folgenden Grund:
Zum Saisonende wurde im Zuge einer Übung der technischen Hilfswerke von Hildesheim und Berlin - die erfreulicherweise auf unserer Strecke stattfand- die immer noch in Bodenburg lagernde Weiche in Teile auf unseren Flachwagen geladen und nach Almstedt transportiert. Kurz zuvor war das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein mit der AHE in Verbindung getreten, da es an dem "Wismarer Schienbus" (ehem. AHE Nr.20) interessiert war. Da zum derzeitigen Zeitpunkt mit einer absehbaren Aufarbeitung bei der AHE nicht zu rechnen war und man seitens des Vereins eine Perspektive für eine Wiederinbetriebnahme dieses interessanten Fahrzeugs nur in einem Verkauf sah, wurde man sich über einen Preis einig und verabredete anschließend einen Abholtermin. Der "Wismarer" sollte jedoch nicht per Tieflader, sondern auf der Schiene - allerdings verladen auf einem DB-Rungenwagen - nach Darmstadt rollen. Die Verladung in Bodenburg sollte ein Autokran bewerkstelligen. Da es nun aber nicht gearde billig ist, einen Kran anzumieten, durchdenkt man vorher alle Alternativen, um auf ihn verzichten zu können. Dies war in diesem Fall jedoch nicht möglich. Daher einigten sich beide Vereine auf die Teilung der Krankosten.

Schwerer Herzens hieß es Abschiednehmen...
Transportfertig (nach erfolgter Verladung auf einen Rungenwagen) steht der "Wismarer" im Bf. Bodenburg.
Dafür rollte der Kranwagen nach erfolgreicher Verladung des "Wismarers" nach Almstedt und legte die noch einzubauende Weiche Stück für Stück mit tatkräftiger Unterstützung der Vereinsaktiven in die vorgesehene Gleislücke, die man zuvor durch herausheben einiger Gleisjoche geschaffen hatte. Dank guter Zusammenarbeit der Mitglieder und des sehr hilfsbereiten Kranführers gelang es, die Weiche so komplett zu verlegen, daß sie am Abend bis auf eine verbliebene Lücke von ca. 2 Metern fast schon befahrbar gewesen wäre! Natürlich waren nachträglich noch einige Korrekturarbeit notwendig, doch das Arbeitsergebnis dieses Tages konnte sich durchaus sehen lassen!
Anschließender Weicheneinbau im Bf Almstedt.
Damit waren die Gleisumbauarbeiten im Bahhof Almstedt fast schon abgeschlossen, "lediglich" das Lokschuppengleis mußte nun noch neu verlegt werden. Zunächst wurde das bisherige Hauptgleis hinter der Einfahrtsweiche aus Richtung Bodenburg getrennt und als Baugleis provisorisch in die später gewünschte Richtung verschwenkt. Dieses Baugleis wurde benötigt, um darüber mit unserem SKL (DF 64) und daraufgestellten Kipploren den Abraum zum Aufschütten des Bahnsteigs beim Haltepunkt "Grillplatz" abzufahren, der beim Ausbaggern der Lokschuppenstreifenfundamente anfiel. Nachdem das Fundament fertig ausgehoben (eine sehr mühselige Aufgaben, der lehmige Boden mußte mit Spitzhacken aus dem Baggerlöffel geklopft werden) und das Baugleis somit überflüssig geworden war, wurde es bis zur nächsten Weiche abgebaut.
Zur Adventsfeier 1985 präsentierten sich die neu entstandenen Gleisanlagen des Bahnhofs Almstedt schon in fast fertigen Zustand.
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