Der Museumsbahnhof Almstedt-Segeste (3)
Fast gleichzeitig sollte die AHE tatkräftige Hilfe bekommen! Das Arbeitsamt Hildesheim wollte gemeinsam mit dem Verein eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durchführen. Dieses Projekt konnte tatsächlich vom Frühjahr 1986 an realisiert werden, und zwar nur, weil das Anfang 1989 leider verstorbene Vereinsmitglied Friedel Rodemann die Leitung vor Ort übernahm und für die nächsten drei Jahre diesen Dienst für den Verein ehrenamtlich versehen hat. Wir werden ihm seinen Einsatz nicht vergessen!
Die erste Aktivität der ABM-Gruppe war der Abbau des alten Stationsgebäudes, um es auf der dafür vorbereiteten Sockelplatte auf der anderen Gleisseite wiederzuerrichten. Die Arbeiten gingen so zügig voran, daß die am Wochenende kommenden Vereinsmitglieder den Bahnhofsvorplatz manchmal kaum wiedererkannten...
Nachdem das Gebäude Stein für Stein entfacht worden war, wobei die alten Ziegelsteine feinsäuberlich geputzt und zur Wiederverwendung gestapelt wurden, wurden die Balken ähnlich wie beim Lokschuppenabbau in Bad Grund bezeichnet und danach vorsichtig abgebaut. Leider zeigte sich, daß das Stationsgebäude substanziell erheblich schlechter erhalten war als der Lokschuppen: Beim Wiederaufbau mußten etliche Stiele durch neue ersetzt werden, da erstere im unteren Bereich stark angefault waren. Das Gebäude wurde übrigens spiegelverkehrt mit dem Güterboden auf der anderen Seite wiedererrichtet.
Schon im Oktober 1986 feierten die Vereinsmitglieder zusammen mit den ABM-Leuten Richtfest.
Im Frühjahr 1987 folgten dann das Ausmauern der Gefache mit den Originalsteinen, die Dacheindeckung und der Einbau der restaurierten Fenster. Lediglich die doppelflügelige Eingangstür befand sich in einem derart schlechten Zustand, daß sie vor einem Wiedereinbau erst einmal sehr aufwendig restauriert werden mußte, wofür zunächst allerdings das Geld fehlte. So "zierte" in den nächsten Jahren eine Bautür den Eingang. Erst im Jahr 1989 sollte die Originaltür auf Initiative eines Vereinsmitglieds durch einen befreundeten Tischler restauriert und eingebaut werden.
Zunächst blieb das Bahnhofsgebäude innen im Rohbauzustand, während es außen komplett fertiggestellt war. Grund dafür war der Ablauf der auf ein Jahr befristeten AB-Maßnahme und der Wechsel der Mitarbeiter für die folgende Maßnahme 1987/1988. Da sich leider unter den Neuen keine Facharbeiter befanden, wurden sie fast ausschließlich für Streckenarbeiten eingesetzt.
Das Bahnhofsgebäude im Jahr 1987. Noch ist die Eingangstür nicht vorhanden, lediglich eine Bautür schützt vor ungebetenen Gästen.

Allerdings verlegten sie das zum Lokschuppen führende Gleis neu, womit für unsere Fahrzeuge wieder mehr Abstellfläche zur Verfügung stand.
Parallel zur zweiten AB-Maßnahme begannen einige Mitglieder mit der Aufrichtung des Lokschuppenfachwerks. Auch hier war der Austausch einiger Balken nötig. Allein die gesamte Rückwand mußte vollständig neu gebaut werden, da der Schuppen in Bad Grund eine massiv gemauerte Rückwand besessen hatte. Natürlich ging dieser Aufbau nicht ganz so zügig wie beim Bahnhosgebäude, aber es ging kontinuierlich voran.
Ende 1987 feierten die Mitglieder bei bitterer Kälte, aber zu Recht stolz auf das Geleistete, Richtfest. Sollte die T3 schon 1988 im Trockenen stehen?
Aufrichten des Fachwerkes (Sommer1987)
Das Jahr 1988 brachte jedoch nicht die erhofften Fortschritte: Umfangreiche Reparaturen an den Fahrzeugen nahmen alle Beteiligten voll in Anspruch. Für die Arbeiten am Lokschuppen blieb kaum Zeit, die Gefache blieben weitesgehend unausgemauert. Dafür mußte das Personal an den Betriebssonntagen dem Publikum immer wieder die gleiche Geschichte erzählen: Der Schuppen sei in Arbeit, man habe in der letzten Zeit nicht viel schaffen können, weil... (Gründe variierten).
Andere Maßnahmen hatten Vorrang, so z.B. die Klärgrube für das Stationsgebäude. Über ihr entstand der heutige "Cafe`-Garten", es wurden diverse andere Kleinarbeiten durchgeführt, die alle zur Vervollständigung des Bahnhosgeländes beitrugen. Trotzdem hörte man immer wieder von Fahrgästen, es habe sich nichts geändert, seit sie das letzte Mal da waren. Aber so ist das nun einmal bei einer Museumsbahn, die mit durchschnittlich fünf bis sieben Aktiven, mal mehr, meist weniger, einmal in der Woche weiterkommen will. Die Aktivenzahl hat sich übrigens seit der Vereinsgründung vor fast 30 Jahren kaum verändert, lediglich die Personen, aber was haben diese wenigen Aktiven nicht alles geschaffen!
Und in Almstedt hatte sich bereits 1988 viel verändert: Eine komplett umgebaute und wesentlich erweiterte Gleisanlage, ein neuer Güterschuppen als Lager und ein ausschließlich unter freiem Himmel aufgearbeiteter Museumszug.
Ein damaliger Vereinskollege spendete schließlich Mauersteine für eine komplette Lokschupppenseite. Anfang 1989 hatte der Verein durch Verhandlungen des Vorstandes mit einer Brückenbaufirma die Gelegenheit, günstig Dachschalungsbretter für den Lokschuppen zu erwerben. Diese wurden im Februar 1989 von einer Brückenbaustelle bei Emmerke abgeholt. Die Bretter erwiesen sich als für den gedachten Zweck ideal, mußten zunächst jedoch entnagelt und gesäubert werden.
Mitte 1989 lief die neue Schwerbehinderten AB-Maßnahme an, die für den Verein gegenüber den vorhergehenden AB-Maßnahmen einige zusätzliche Vorteile bracht, zum Beispiel Geldmittel zur Neubeschaffung von Werkzeugen und Material.

Nach Ausmauerung der Gefache (Herbst 1989)

Im Sommer 1989 wurden die ersten Schalbretter auf das Schuppendach genagelt, und diese Aktion konnte im Spätherbst abgeschlossen werden. Unter den neuen ABM-Leuten befand sich glücklicherweise ein Maurer, der ordentlich die Gefache ausmauerte und danach von innen verputzte. Das Stationsgebäude wurde innen mit Gipskartonplatten verkleidet, ein Holzfußboden verlegt, die Küche und sanitäre Anlagen eingerichtet. Der heutige Warteraum wurde zunächst als Aufenthaltsraum, der jetzige Dienstraum als Werkstatt genutzt, der Güterboden als Werkzeugaufbewahrungsraum. Auch die elektrische Installation wurde in allen Räumen verlegt, so daß die noch aus dem alten Stationsgebäude bekannte Batteriebeleuchtung ersetzt werden konnte.
Vor dem Lokschuppen wurde der seit Jahren in Almstedt lagernde Wasserkran aufgestellt und mit einer "Wasserkrandusche" einiger Mitglieder feierlich in Betrieb genommen.
Gegen Ende des Jahres 1989 wurden mit Hilfe des über die AB-Maßnahme finanzierten Kranwagens (DF62) die letzten Gleisjoche im Lokschuppen verlegt.
Anfang 1990 erhielt der Lokschuppen seine Dacheindeckung mit Dachpappe. Nun konnte die Dampflok endlich wieder die Annehmlichkeiten eines trockenen Unterstandes genießen!
Neben dem Stationsgebäude richteten die ABM-Leute einen Cafe-Garten ein, der in einer Ecke einen gemauerten Grill erhielt.
Das Bahnhofsgelände machte zum ersten Mal seit Jahren einen aufgeräumten und ordentlichen Eindruck. Leider ließen die Aktivitäten der Mitglieder in der Zeit der ABM spürbar nach, es wurde mehr gefeiert, als gearbeitet.
Dabei war die nächste Ausbaustufe für den Bahnhof Almstedt schon in Planung: Am oberen Bahnhofsende Richtung Sibbesse sollten links neben dem Hauptgleis noch zusätzliche Abstell- und Austellungsgleise entstehen. Die dafür erforderliche Wiese konnte jedoch nicht vom Landhandel erworben werden. Trotzdem wurden vorsorglich schon in Banteln ein Drehwinkel und eine Weiche ausgebaut und nach Almstedt transportiert.
Das große Manko in der AB-Maßnahme bestand in der Tatsache, daß sie sich ohne Vereinsvorarbeiter quasi selbst verwaltete und relativ unkontrolliert arbeitete, bzw. mit zunehmender Zeitdauer kaum mehr arbeitete. Hierdurch wurde leider vieles nicht geschafft, was unter normalen Umständen zu schaffen gewesen wäre. Trotzdem ist diese AB-Maßnahme alles in allem für den Verein eine große Unterstützung gewesen, denn die beschafften Werkzeuge gingen nach Ablauf der Maßnahme Mitte 1991 in Vereinseigentum über- sofern sie nicht schon auf ungeklärte Weise vorher das Vereinsgelände verlassen hatten...

Die restaurierte Eingangstür des Stationsgebäudes (1991)

Obwohl der Verein zum ersten Mal in seinem Bestehen halbwegs annehmbare Arbeitsbedingungen bieten konnte, gingen die Aktivitäten immer weiter zurück. Für diese negative Entwicklung gab es mehrere Gründe: Zum einen war man das Arbeiten nicht mehr gewöhnt, hatte man es doch sonst Vieles auf die ABM abwälzen können. Viele Mitglieder kamen nicht mehr zum Arbeiten, sondern nur noch zum Fahren. So blieben wichtige Dinge liegen und wurden nicht in Angriff genommen.. Ende 1991 schließlich mußte der Fahrbetrieb auf der gesamten Strecke in Folge des schlechten Oberbauzustandes eingestellt werden. Dies hatte zusätzlich einen starken Motivations- und Stimmungseinbruch im Verein zur Folge. Ein eingeholtes Angebot über eine professionelle Streckensanierung durch eine Gleisbaufirma lag bereits zu dieser Zeit über einer Million DM, mit anderen Worten absolut unfinanzierbar für den kleinen Verein.
Der langjährige Vorsitzende und die treibende Kraft gab schweren Herzens sein Amt auf, da er dem Verein nicht mehr die Zeit widmen konnte, die dieses verantwortungsvolle Amt erfordert. Hierdurch entstand gerade zu einem Zeitpunkt eine Lücke, als der Verein eine starke Führung dringend gebraucht hätte. Ein neuer, unerfahrener Vorstand wurde gewählt.
Doch wie sollte es nun weitergehen? Gerade war der Betriebsmittelpunkt schon weit fertiggestellt, doch kaum jemand war bereit, hier noch weitere Kraft zu investieren, solange man nicht wußte, ob es überhaupt eine Zukunft gäbe. Der harte Kern beschloß, die Sanierung selbst anzugehen. Eine verzweifelte Suche nach Gleismaterial begann. Nachdem man in Hildesheim die Anschlußgleise in der Nordstadt gegen Selbstabbau zum Nulltarif angeboten bekam, plagten sich einige unverdrossene Aktive wochenlang, um diese in Hildesheim zu zerlegen und verladefertig zu stapeln, darunter eine Doppelkreuzungsweiche und mehrere Weichen. Daß man dann seitens des neuen Vorstandes im Jahr 1993 ein günstiges Transportangebot nicht wahrnahm und deshalb das mühevoll ausgebaute Material in den Schrott wanderte, verleidete schließlich auch dem letzten Aktiven die Lust an der Arbeit.
Bahnhofspanorama Anfang der neunziger Jahre.
Für Viele lag der Verein bereits im Sterben. Als auch noch wegen eines Auslegungsfehlers einer Dienstvorschrift auf der gesamten Strecke der Betrieb auch für Dienstfahrten vom ersten Vorsitzenden zeitweilig untersagt wurde, war der endgültige Tiefpunkt erreicht. Von Anfang 1992 bis Herbst 1993 hatte keine einzige Veranstaltung auf der Almetalbahn stattgefunden, und war kein Fahrzeug aufgearbeitet, oder auch nur die nötigsten Arbeiten ausgeführt worden. Einige langjährige Aktive verließen den Verein oder nahmen sich eine "Auszeit", den verbliebenen Mitgliedern, die sich noch am Bahnhof trafen, fehlte die Motivation und die Fähigkeit, wieder anzupacken und den Verein zu neuem Leben zu erwecken. Pessimismus und Resignation kennzeichneten die Stimmung.
In dieser trostlosen Zeit entwickelte Peter Leinemann die Idee der "Bahnhofsfeste". Zunächst noch von nicht Wenigen mitleidig belächelt, verfolgte er diesen Gedanken konsequent weiter, und tatsächlich konnte nach einigen Vorbereitungsmaßnahmen im Herbst 1994 das erste Bahnhofsfest in Almstedt stattfinden. Geboten wurden Führerstandsmitfahrten auf der Dampflok T3, der V20, der Motordraisine und der Handhebeldraisine im Bahnhofsbereich. Dazu gab es ein Rahmenprogramm mit Modelleisenbahnen, Getränken, Speisen und Souvenirverkauf. Die doch recht erfreulichen Besucherzahlen zeigten, daß die Bevölkerung trotz allem das Interesse an der Almetalbahn nicht verloren hatte!

Aufnahme vom ersten Bahnhofsfest im Herbst 1994.
Die Wende kam dann im Frühjahr 1995 mit der Wahl eines neuen Vorstandes. Der Verein stand nun am Scheideweg zwischen Auflösung und Neubeginn. Glücklicherweise war letzteres der Fall: Die neugewählten Vorstandsmitglieder packten selbst kräftig an und verstanden es, die anderen mitzureißen. Nun kam endlich wieder Schwung in den Verein. Mit viel Enthuseasmus wurden nun die seit Jahren längst überfälligen Aufgaben, wie die Schaffung einer dauerhaften Betriebsgenehmigung konsequent angepackt und durchgeführt. Die allgemeine Aufbruchsstimmung zog sich durch den gesamten verbliebenen Aktivenstamm. So wurde das bereits zu 80 % fertiggestellte Bahnhofsgebäude entrümpelt, die Werkstatt aus dem Fahrdienstleiterraum ausgesiedelt und der Warteraum gestrichen und mit Fußleisten versehen. Für den Lokschuppen wurde im Sommer 1995 ein komplett neues Tor nach dem alten Vorbild originalgetreu nachgebaut, so daß die alten baufälligen Torflügel ersetzt werden konnten. Als Überweg zum Stationsgebäude wurde ein Bohlenübergang aus Hannover organisiert.
Das gesamte Bahnhofsgelände, nach Jahren der Vernachlässigung verkrautet und vermüllt, wurde gereinigt und aufgeräumt. Mit einer großangelegten Pressekampagne in vielen regionalen und überregionalen Zeitungen und Radioreportagen machte der Verein endlich wieder im positiven Sinne von sich reden.
Die drei im Frühjahr, Sommer und Herbst des Jahres 1995 durchgeführten Bahnhofsfeste waren ein derart überwältigender Erfolg, daß es auch in der Vereinskasse endlich wieder erfreulicher aussah und man optimistisch neue Projekte in Angriff nehmen konnte. Eines davon war die Fahrwerksuntersuchung der Dampflok T3, nachdem man noch einmal eine Verlängerung der Kesselfristen erreicht hatte und die Lok für geplante Fahrten außerhalb des Museumsbahnhofs vorbereitet werden sollte.

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