Strecken(wieder)eröffnung im Almetal
05.05.2002: Der Eröffnungszug erreicht den Haltepunkt "Grillplatz"
11lange Jahre ist es nun her, daß der letzte offizielle Personenzug durch das Almetal dampfte. Zum Ende des Jahres 1991 konnten die strengen Auflagen, denen eine für Personenverkehr zugelassene Eisenbahnstrecke unterliegt, durch den Verein nicht mehr erfüllt werden. Zwar hatten durch die Jahre des Museumsbahnbetriebes immer wieder umfangreiche Sanierungsmaßnahmen stattgefunden, dennoch konnte man den im Durchschnitt 70 jahre alten und maroden Schwellen nicht mehr Herr werden. Zu lange war die Strecke seitens der Bundesbahn von jeder Instandhaltung zurückgestellt und vernachlässigt worden. So war bereits in den fünfziger Jahren statt einer dringend notwendigen Erneuerung des Oberbaus lediglich eine Absenkung der zulässigen Achslast auf Grund des schlechten Gesamtzustandes veranlaßt worden. Wie schlecht dieser Zustand wirklich war, läßt sich vielleicht dadurch verdeutlichen, daß auf einem langen Streckenabschnitt zwischen Segeste und Sibbesse die Joche nicht einmal in einem Schotterbett, sondern noch in einem Kiesbett (!) verlegt waren. Lange Jahre konnte man auf der Vereinsstrecke noch Schwellennägel mit einstelligem Prägedatum vorfinden. Auch die leichte preußische Bauform "6" der Schienenprofile wurde nie gegen eine schwere Bauform ausgetauscht. Offensichtlich stand die Strecke schon recht früh auf der Abschußliste der Stillegungsbewegung der Nachkriegszeit. Dennoch wurde sie zur Einstellung des Personenverkehrs Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch von den schweren Akkutriebwagen der Baureihe 515 befahren. Anfang der siebziger Jahre erfolgte die Streckenstillegung auf dem Abschnitt Bodenburg - Sibbesse. Anders als dieser etwa 5 Kilometer lange Streckenabschnitt, den die Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V. kurz darauf übernehmen konnte, wurde auf der anderen Seite der ehemaligen Strecke Bodenburg-Elze nach Abriß des Abschnittes Gronau-Sibbesse das Reststücke Gronau - Elze erneuert und mit der schwereren Bauform S49, sowie neuen Schwellen und Gleisbett ausgestattet.
Blick auf unsere "Neubaustrecke" (April 2002)
Anfang der achtziger Jahre kam dann das Aus für den Personenverkehr auf dem Streckenabschnitt Gronau- Elze. Von nun an wurden nur noch Güterwagen, zumeist Kesselwagen, im Bahnhof Gronau abgestellt. Diese erhielten hier neue, durch eine Gronauer Kesselbaufirma hergestellte Aufbauten. Ab und an wurden hier auch Militärtransporte verladen. Insgesamt wurde es jedoch ruhig um die Strecke. Schließlich erfolgte 1997 die endgültige Stillegung. Da die Stadt Gronau am Bau einer Ortsumgehungsstraße interessiert war, die über das Bahnhofsgelände Gronau verlaufen sollte, kaufte sie der Bahn-AG das Bahnhofsgelände ab. Bedingung der Bahn war allerdings, daß der gesamte Oberbau mit zuübernehmen sei. Außer dem Bahnhofsgelände gehörten zu dem übernommenen Grundstück noch die Trasse bis zur Gronauer Gemarkungsgrenze (etwa 3,5 Kilometer Streckenlänge), sowie die drei unter Denkmalschutz stehenden Leinebrücken und eine Vorfluterbrücke.
Die Stadt konnte verständlicherweise das Oberbaumaterial nicht gebrauchen. Da man in gutem Kontakt zur Arbeitsgemeinschaft historische Eisenbahn e.V. stand, konnte das Oberbaumaterial durch den Verein kostenlos übernommen werden. Dort war man angesichts der großzügigen Spende mehr als erfreut! Das Problem bestand lediglich in der Finanzierung des Transportes der Gleisjoche, sowie im Abbau der Strecke mit eigenen Mitteln. Gleichzeitig ergab sich der Kontakt mit einer Firma, die vorgab, gegen Verwertung von Gleismaterial Abbau und Transportleistungen zu erbringen. Etwa 2,5 Kilometer der abzubauenden Strecke waren mit Stahlschwellen ausgestattet. In den Verhandlungen kam man überein, diese Streckenlänge der Firma zur Verwertung zu überlassen. Darüber hinaus sollte das Gleismaterial des zu erneuernden Streckenabschnittes in Almstedt ebenfalls zur Verwertung an die Firma übergehen. Die Leistung der Firma sollte dagegen im kompletten Abbau der Strecke Bahnhof Gronau bis Gemarkungsgrenze Elze, Transport von 108 Gleisjochen mit Holzschwellen von 12m Länge pro Stück nach Almstedt bestehen. Dort sollte die alte Strecke (um 1100 m) komplett abgebaut, ein Planum geschoben und die Gronauer Joche, ausgelegt, verlascht und grob ausgerichtet werden.
Im Januar 1998 begann die Firma "SAR" mit den Rückbauarbeiten in der Gemarkung Gronau. Zunächst ging alles reibungslos vonstattten. Probleme ergaben sich erst bei den Transporten der Gleisjoche nach Almstedt. Aufgrund des desolaten Baggers der Firma "SAR" mußte der Transport auf zwei Wochen verteilt erfolgen. Am ersten Termin konnte durch die Wachsamkeit der AHE-Mitarbeiter gerade noch verhindert werden, daß ein Transport mit 7 Gleisjochen vom Spediteur, einem Subunternehmer der Firma "SAR", gestohlen werden konnte. Leider gelang dies beim zweiten Termin nicht mehr: Statt den letzten Transport nach Almstedt zu bringen, rollte er zu der Speditionsfirma nach Osnabrück, "zufällig" auch eine Gleisverwertungsfirma. Trotz sofort eingeschalteter Polizei konnten die Joche nicht mehr gerettet werden, sie waren schon zerlegt worden. Die Sache wurde durch AHE-Aktive zur Anzeige gebracht, jedoch vor Gericht gegen Zahlung von etwa 1000,- DM an die Staatskasse durch den SAR-Geschäftsführer, Herrn Eickhoff eingestellt. Die AHE als Geschädigte ging jedoch leer aus, die gestohlenen Joche mußten nicht ersetzt werden!
Gleichzeitig wurde der Verein weiter durch die SAR betrogen: Durch Verzögerungstaktik, Ausreden und falsche Verspechungen über Mehrleistungen brachte Herr Eickhoff die AHE-Mitarbeiter immer wieder dazu, ursprünglich durch SAR zugesagte Leistungen selbst zu erbingen. So wurde das gesamte Planum durch den Verein erstellt und ein Teil der alten Strecke selbst abgebaut. SAR hatte jedoch nichts anderes zu tun, als das für sie vorgesehene Schienenmaterial abzufahren. Da man seitens des Vereins inzwischen begriffen hatte, was vor sich ging, wurde Herrn Eickhoff der weitere Abtransport von Material untersagt. Leider war es zu diesem Zeitpunkt schon fast zu spät.
Schließlich verschrottete Herr Eickhoff auch noch die komplette Vorfluterbrücke in Gronau ( 45t Kernschrott): Unter der falschen Angabe bei der Stadt, Teile daraus für die AHE zu bergen und im Vereinsauftrag zu handeln, erhielt er sie sogar kostenlos! Natürlich hat der Verein nie etwas davon gesehen. Die letzte Aktion, die SAR bei der AHE ausführte, war das grobe Auslegen der Joche bis zum Grillplatz, dies allerdings auch nur mit wesentlicher Unterstützung durch die AHE-Aktiven. Dann wurde der marode Bagger im Bf Almstedt abgestellt und kein SAR-Mitarbeiter ließ sich mehr blicken.
Im Juni 1998 schließlich wurde auch der Bagger abgeholt, unter dem Vorwand, ihn reparieren lassen zu wollen. Immerhin konnte das wertvollste Teil, der Greifer, als Pfand einbehalten werden. Daraufhin erfolgten unter Einschaltung eines Rechtsanwaltes immer wieder Verhandlungen mit Herrn Eickhoff, auch hier wieder das gleiche: Zusagen, Versprechungen, nichts wurde erledigt.
Der Schaden der durch SAR nicht fertiggestellten Bauleistung beläuft sich auf etwa 3.0000 EURO.
Aus Beweissicherungsgründen konnte auch an der Strecke nicht weitergebaut werden. So wurde aus dem zunächst anvisierten Eröffnungstermin Mitte 1998 das Frühjahr 2002. Im Frühjahr 2001 wurde ein gerichtlicher Vergleich zwischen SAR und AHE geschlossen, wonach SAR eine gewisse Summe an die AHE zu zahlen habe. Es ist wohl fast überflüssig zu erwähnen, daß keine müde Mark jemals gezahlt wurde. So ist man seitens des Vereins einem Betrüger aufgesessen, vor dem nur alle Museumseisenbahnen ausdrücklich gewarnt werden können!
Ungeachtet dieser Tatsache konnte dafür im Winterhalbjahr 2001/2002 mit der Fertigstellung des erwähnten Streckenabschnitts begonnen werden: Die Joche wurden nach Bohrung der Schraubenlöcher verlascht, ausgerichtet und eingeschottert. Außerdem wurde durch Einlagen von Spezialplatten das vorhandenen Untermaß der Spur beseitigt.
Bis zum Frühlingsfest konnte der erste Abschnitt bis zum Haltepunkt "Grillplatz" fertiggestellt werden. Näheres dazu im Abschnitt
Arbeitseinsätze 2001 (2).
Mit einem feierlichen Festakt konnte der fertiggstelle Abschnitt am 05.05.2002 freigegeben werden, so daß seitdem endlich wieder Personenzüge durch das Almetal rollen!
Ausblick:
Nun soll es aber mit unverminderter Geschwindgkeit weitergehen: Bis zum Streckenende sind es immer noch etwa 400 Meter. Hier wird in den nächsten Jahren der Endpunkt "Grundkamp" mit einem Umfahrgleis und einem Drehwinkel entstehen, der ein in der deutschen Museumsbahnszene einmaliges Umsetzen ermöglichen wird. Abschließend sei noch angemerkt, daß es nur der Geduld und dem Durchhaltewillen der wenigen Aktiven zu verdanken ist, daß hier so etwas geschaffen werden konnte. Die Jahre ohne Fahrbetrieb waren nicht leicht für den Verein, einige Mitglieder kehrten im Laufe der Zeit dem Verein den Rücken, viele neue kamen jedoch hinzu. Man kann sagen, daß sich in dieser Zeit die Spreu vom Weizen getrennt hat. Denn wie in jedem Verein kommt es nicht auf diejenigen an, die nur kluge Reden führen und immer alles besser wissen, sondern auf diejenigen, die ohne viele Worte, aber mit Verstand zupacken! Denn nun können die, die immer daran geglaubt und dafür gearbeitet haben, wieder Fahrbetrieb aufnehmen zu können, endlich die Ernte einfahren!


Blickrichtung Almstedt-Segeste Haltepunkt Grillplatz

Ankunft des Eröffnungszuges
Museumsbahnbetrieb Almetalbahn
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