GW 50
Post-Packwagen
Typ: PwPosti Pr. 07
Hersteller: unbekannt
Baujahr: 1910
Fabrik-Nr.: unbekannt
Eigengewicht: 14300 kg
Tragfähigkeit: 17500 kg
Diensträume: 3
Aborte: 1
Hundeabteile: 2
Anzahl der Achsen: 2
Achsstand: 6500 mm
Länge ü. Puffer: 11850 mm
zul. Höchstgeschw.: 65 km/h
Bremse: Ksbr, H, Wsbr
Heizung: Dampfheizung
GW 50 abgestellt in Bodenburg (1994)
Kombinierter Post-Packwagen vom Typ Pw Posti Pr. 07 der preußischen Staatsbahn. Wagen dieses Typs wurden vorwiegend gebaut, um auch bei geringem Verkehrsaufkommen so wirtschaftlich wie möglich zu sein. Der hier beschriebene Typ eines zweiachsigen kombinierten Gepäck- und Postwagens entstand nach dem Musterblatt IIa 14 für preussische Betriebsmittel. Aber auch andere Länderbahnverwaltungen beschafften Wagen, die nach den preußischen Normalien gebaut waren. Entsprechend seines hohen Alters weist der Wagen einen hölzernen Wagenkasten auf, der außen mit Blech verkleidet ist. Die Inneneinrichtung sah folgendermaßen aus: Vorderer Dienstraumbereich mit seitlichen einflügeligen Einstiegsdrehtüren. Ebenfalls verfügt der Wagen über eine stirnseitige Tür mit Übergangsblech. Im Dienstraumbereich befand sich der Arbeitsplatz des Zugführers mit einem Schreibplatz. Ebenfalls war eine Toilette vorhanden. Durch eine Tür gelangt man in den mittleren Wagenbereich, wo das Gepäckabteil angesiedelt ist. Dieses Gepäckabteil weist zum Beladen zwei seitliche Schiebetüren auf. Im hinteren Bereich des Gepäckabteils angeordnet und durch zwei seitliche kleine Türen erreichbar waren bis in die fünfziger Jahre zwei Hundeabteile angeordnet. Der dritte Bereich des Wagens war abgetrennt vom übrigen Wagen nur über die durchgehenden äußeren Trittbretter durch seitliche zweiflügelige Türen erreichbar. Es handelte sich um das Postabteil. Um auf den Bahnhöfen Briefe anzunehmen, waren in diesem Bereich beidseitig Briefeinwürfe angeordnet. Im Postabteil waren Briefverteilfächer, Arbeitstisch und Staubretter vorhanden. Ursprünglich verfügte der Wagen über eine Dampfheizung. Die Leitung ist noch vorhanden. Zusätzlich war im Postabteil noch ein Ofen vorhanden. Außerdem verfügte der Wagen über unter dem Wagen angeordnete Gasbehälter, die die Gasbeleuchtung speisten.
Nach Vereinigung der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn Gesellschaft gelangten auch etliche Fahrzeuge dieses Typs in den Nebenbahndienst und waren bald im gesamten Deutschen Reich anzutreffen. Nach dem zweiten Weltkrieg schieden etliche Fahrzeuge dieses Typs aus dem Staatsbahndienst aus, waren sie doch durch ihren hölzernen Wagenkasten und die hinter Ihnen liegende dunkle Zeit stärker mitgenommen, als Fahrzeuge mit Stahlaufbau. Nur wenige wurden noch in den Bestand der Deutschen Bundesbahn, bzw. Reichsbahn übernommen, wo sie auch nur noch als Lückenfüller bis zur Neubeschaffung moderner Fahrzeuge dienten. Bis Mitte der sechziger Jahre sind noch vereinzelte Einsätze dieses Fahrzeugtyps bei der Bundesbahn nachgewiesen. Daß bis zum heutigen Tage dennoch ein Exemplar dieser einst weitverbreiteten Gattung erhalten blieb, ist der Tatsache zu verdanken, daß der Wagen nach den bisherigen Erkenntnissen Anfang der fünfziger Jahre an die Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter verkauft wurde. Vorher war er bereits reichsbahnangepaßt modernisiert und umgebaut worden. So wurden die Gasbehälter entfernt und ein Batteriekasten wagenunterseitig montiert, dessen Batterien durch einen Generator gespeist wurden. Weiterhin entfielen die Hundeabteile und damit verbunden die Hundeabteiltüren. Des weiteren wurde das Fahrzeug offensichtlich in den ersten Nachkriegsjahren als Behelfspersonenwagen eingesetzt. Hierzu entfernte man die Inneneinrichtung des Postabteils und montierte auf der hinteren Stirnwand eine Sitzbank. Damit das Abteil über genügend Licht verfügte, wurde im letzten Seitenfeld auf je ein zusätzliches Fenster eingebaut. Die Oberlichter wurden zu Gunsten eines "dichten" Daches verschlossen. Derart modifiziert lief der Wagen jahrzehntelang im Personenzugverkehr des Salzgittergebietes. Mitte der siebziger Jahre wurde er der AHE übereignet. Schon zu diesem Zeitpunkt befand er sich substanziell in einem schlechten Zustand. Da in den Anfangsjahren des Verein nicht die Mittel und Werkzeuge zur Verfügung standen, später nicht die Zeit vorhanden war, eine derart grundlegende Fahrzeuginstandsetzung in Angriff zu nehmen, blieb der Wagen unaufgearbeitet. Da sich der Zustand in den letzten Jahren deutlich verschlechterte, stand nun der Verein vor der Entscheidung, was mit dem Wagen zu tun sei. Glücklicherweise wird der Wagen nicht verschrottet werden, sondern in den nächsten Jahren grundlegend restauriert und in den Zustand der dreißiger Jahre zurückversetzt werden. Die Anfänge sind bereits gemacht, so wurden bereits das untere Rahmenholz, sowie das eicherne Holzgerippe einer Wagenseite in großen Teilen erneuert und auf der rückwärtigen Stirnseite neue Bleche montiert. Parallel zur Aufarbeitung laufen auch die Forschungen nach dem Hersteller, dem Baujahr und der Fahrzeugnummer.
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