Im Bestand der AHE befindet sich eine Vielzahl verschiedener Eisenbahnwagen aus verschiedenen Bahnepochen, mit teilweise aufregender und wechselvoller Vergangenheit. Auch Wagentypen, die es heutzutage überhaupt nicht mehr gibt, da die Dienste, für die man sie benötigte, heute nicht mehr durch die Bahn erbracht werden, finden sich darunter. Ein besonderes Exemplar ist dabei der Packwagen mit Postabteil PwPosti pr. 07 (AHE-Nummer GW 50).
Doch die große Zahl an Fahrzeugen im Bestand der AHE ist auch eine sehr große Herausforderung, zumal fast alle Fahrzeuge in Ermangelung einer Abstellhalle der Witterung ausgesetzt sind. So bedarf es grade bei den nicht unmittelbar betriebsnotwendigen Fahrzeugen auch großen persönlichen Engagements, um diese zu erhalten. So auch beim GW 50, dessen bis jetzt durchgeführten Sanierungsarbeiten hier vorgestellt werden sollen. In Anbetracht des Zustands in den 2000er-Jahren darf hier durchaus von Rettung gesprochen werden, wenngleich die Restauration noch lange nicht abgeschlossen ist.

Im Sommer 2002

zeigte sich der Wagen in einem sehr bedauernswerten Zustand. Abgefallene Blechplatten, Rost, fehlende Türen und ein abgängiges Dach sind nur die augenfälligsten Mängel. Höchste Zeit, dass etwas passiert.

Zunächst wurde einmal die Bestandssicherung des Post-Packwagens begonnen. Spät, aber nicht zu spät wurden nun Maßnahmen ergriffen, dieses wertvolle Fahrzeug der Zukunft zu erhalten. Schon nach kurzer Inaugenscheinnahme zeigte sich, dass in diesem Falle die Instandsetzungsmaßnahmen weit über das hinausgehen werden, was bisher an Arbeiten an den vereinseigenen Fahrzeugen anfiel. Es wäre sicher dennoch falsch, von einem Neubau zu sprechen, da viele Teile des Bestandes wiederverwendet werden können. Ein Grundsatz bei der Aufarbeitung stellt zunächst einmal die Beendigung des allgemeinen Verfalls dar. Unterhalb der Blechbekleidung (die als Muster für die neuen Bleche dienen wird) befindet sich ein besonders im unteren Bereich verfaulter Eichenholzrahmen.

Im unteren Bereich des Wagenkastens ist die verfaulte Schwelle zu erkennen. Während des Ausbaus mußten die aufrechten Rahmenhölzer mit einer Winde provisorisch abgestützt werden

Im Herbst 2002

wurde mit dem Austausch der Schwellenreste gegen eine neue Eichenschwelle begonnen. Dabei konnte nur in Abschnitten vorgegangen werden, die aufrechten Rahmenteile wurden innenseitig provisorisch abgestützt. Durch die verhältnismäßig komplizierte Einbindung der Schwelle mit Schlitz und Zapfenverbindungen, bzw. diversen Ausfälzungen, nahm die Vorarbeit mehrere Tage in Anspruch, während der eigentliche Einbau innerhalb eines Tages erfolgte. Im Vorfeld erfolgte die Entrostung des hinteren Pufferbohlenbereiches, besonders in Teilen, die später nicht mehr zugänglich sein werden. Ferner wurden offenbar bei einem Unfall verzogene Träger gerichtet und verschweißt. Somit wurde eine stabile Auflage für die neue Schwelle geschaffen. Nachfolgend nun einige Bilder zur Dokumentation der ersten Schritte dieser umfangreichen Aufarbeitung:

Die entrostete Pufferbohle während der Aufarbeitungsphase. Die Reste der alten Schwelle sind bereits entfernt, noch fehlt die neue Schwelle im gesamten hinteren Bereich.
In der Luft hingen die seitlichen aufrechten Rahmenhölzer in der schwellenlosen Übergangszeit. Für Stabilität der Rahmenkonstruktion sorgte in der Zwischenzeit eine im Innern des Wagens befindliche Stützkonstruktion.

Die neue Schwelle wird vor dem endgültigen Einbau erst einmal provisorisch eingepaßt. Die beiden folgenden Bilder zeigen die eingebaute Schwelle. Die Erneuerung wird Stück für Stück bis zur anderen Wagenstirnseite fortgeführt.

Ende 2002

Über den kommenden Winter wurde versucht, mehr über die Geschichte dieses
Wagens, der übrigens der preußischen Gattung Pw Posti Pr. 07 in der späten Phase
angehört, herauszufinden. Entsprechende Kontakte waren bereits geknüpft. So stand bald eine Kopie des entsprechenden Musterblattes zur Verfügung, anhand der
man auch die Inneneinrichtung rekonstruieren kann. Vor dem Winter wurden nun noch
Konservierungsmaßnahmen ergriffen. So sind sämtliche Öffnungen mit wetterbeständigen
Platten verschlossen, sowie das Dach abgedichtet worden, um den Innenraum des Wagens
vor der Witterung zu schützen. Im Frühjahr 2003 sollte dann im Zuge eines „Arbeitsurlaubs“
die restliche Schwelle ausgewechselt, sowie die hintere Wagenpartie mit neuen Blechen
versehen werden. Dennoch ist davon auszugehen, dass die komplette Aufarbeitung des
Wagens mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, da sie ja nicht zuletzt auch eine finanzielle
Frage ist.

Im April 2003

hatten sich Eigentümer Claus Dieckow mit Partnerin Steffi Hoffmann zwei
Wochen freigenommen, um mit tatkräftiger Unterstützung von Wolfgang Dieckow den
Wagen weiter aufzuarbeiten. Im Vorfeld waren Eichenbalken und schon erste Bleche bestellt worden. Die Bleche wurden freundlicherweise über Christian Piper geliefert, der sie auch schon in passende Tafeln schnitt.
Hauptaufgaben dieses Arbeitseinsatzes waren der weitere Austausch der Schwelle,
Entrostung und Neuanstrich des Fahrwerks im ersten Drittel und Ersatz von schadhaften
Rahmenhölzern in den Seitenwänden. Zunächst einmal wurden jedoch die beiden Schiebetüren mit Hilfe des Baggers und Unterstützung mehrerer Aktiver ausgebaut, um dort die Schwelle erneuern zu können.

Bereits ohne Schiebetüren präsentiert sich der Pw Posti zu Beginn der Arbeiten in der Abendsonne. Im Vordergrund der im Laufe der Aufarbeitung noch stark zunehmende Altholzstapel…

Während in der Tischlerwerkstatt bereits neue Schwellen zu Austausch gegen die maroden
Reste der Altschwelle gefertigt wurden, entfernte man im Postabteil die letzten Reste der
Unterbodenverbretterung. Danach begann die Entrostung des Fahrwerks in diesem Bereich.
Hierbei arbeitete man mit Rostumwandler, der sich nach Testläufen sehr gut bewährte. Der
wagenunterseitige Fahrzeugrahmen wurde mit Bitumenfarbe gegen fortschreitende
Korrosion geschützt. Die außenliegenden Rahmenteile erhielten zwei Rostschutzanstriche
und eine anschließende Lackierung. Alte Fahrzeuganschriften wurden zuvor vorsichtig
freigelegt, vermessen und fotografisch festgehalten.

Die alte Schwelle ist bereits ausgebaut. In diesem Stadium muss das Dach zusätzlich abgestützt werden.
Der Rahmen nach dem zweiten Rostschutzanstrich.

Während der Arbeiten stellte sich leider heraus, dass gerade in den letzten Jahren durch das
permanent undichte Dach die Seitenwandkonstruktionshölzer zum Teil erheblich schlechter
erhalten waren, als zunächst erkennbar. Hier kam deshalb in vielen Fällen nur ein
Komplettaustausch in Frage. Ebenso mussten einige Kopfstücke der im Boden quer
liegenden Konstruktionshölzer angeschuht und mit „neuen“ alten Winkeln verschraubt
werden. Auf diese Weise gelang es, dem Wagenkasten die ursprüngliche Stabilität
wiederzugeben. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die rechte, in diesem
Arbeitsurlaub in weiten Teilen fertiggestellte Seite erheblich schlechter erhalten war, als die
noch zu restaurierende linke Seite.

Hier ist bereits die neue Schwelle eingebaut und trägt bis auf Teilbereiche wieder die gesamte Last ab.
Nach Lieferung der neuen Bleche wurden diese gebohrt und nach Entfettung zweifach grundiert.

Auf den folgenden beiden Bildern werden bei genauem Hinsehen die Unterschiede sehr deutlich: Links die Wandkonstruktion vor der Restaurierung: die Stiele sind unten und oben faul, zum Teil auch nur noch fragmentarisch vorhanden. Rechts der gleiche Blick nach der Restaurierung: Mit äußerster Behutsamtkeit wurde hierbei vorgegangen, Stiele nur dort komplett erneuert, wo nötig, an übrigen Stellen fachgerecht ergänzt.

Blick auf das frisch lackierte Fahrwerk des Wagens, von dem wohl die wenigsten im Verein je gedacht hätten, daß es wieder einmal so glänzen würde…

Das erste Seitenfeld neben der Doppelflügeltür mußte aus zwei Gründen heraus völlig neu gebaut werden: Zum einen war es völlig abgängig, zum anderen befand sich in diesem Feld eine nachträglich eingebrachte Fensteröffnung, die noch aus der Personenverkehrszeit des Wagens stammte. Da das Fahrzeug jedoch soweit möglich wieder in seinen Ursprungszustand versetzt werden soll, entfällt die Öffnung im Zuge der Aufarbeitung.

Am Abend des 26. April 2003 wird der verpackte Wagen vorsichtig aus dem Schuppen gezogen. Nach den gewaltigen Fortschritten der letzten Tage wird er wieder an ruhiger Stelle neben dem Lokschuppen abgestellt stehen, bis die Arbeiten weitergehen werden.

Das Fazit nach diesen zwei Arbeitswochen lautete dann:
„Zusammenfassend kann man recht stolz sein auf die Fortschritte, die in diesem zwei Woche
erzielt wurden. Es herrscht jetzt auch bei den anfänglichen Skeptikern im Verein kein Zweifel
mehr, dass dieser Wagen in absehbarer Zeit wieder unseren Museumsbahnhof bereichern
wird, geplant ist auch eine Einstellung in den Museumszug. Wir hoffen, dass wir ebenso
zügig weiterarbeiten können, wie jetzt begonnen wurde, auch wenn bedingt durch den
räumlichen Abstand des Fahrzeugeigentümers immer nur konzentriert in Wochenaktionen
gearbeitet werden kann.

Im Juni 2007

konnten nach (viel zu) langer Pause im Zuge eines dreiwöchigen Arbeitsurlaubs die 2002 / 2003 begonnenen Restaurierungsarbeiten am Pw Posti (GW 50) endlich fortgesetzt werden. Bis dahin stand der Wagen mit Planen abgedeckt neben dem Lokschuppen. Dabei stellte sich heraus, dass die verwendeten Planen etwa alle zwei Jahre erneuert werden mussten, da sie nur eine begrenzte UV-Beständigkeit haben. So waren die Holzteile zumindest zeitweise der Witterung ausgesetzt.
Zu Beginn dieses Arbeitsurlaubs wurden alle alten Planenteile vom Wagenkasten entfernt.
Danach erfolgte eine Bestandsaufnahme des Zustands sowohl der alten, als auch der neuen
Holzteile. Es zeigte sich, dass sich der Zustand des Bestandskastens in der Zwischenzeit nicht
verschlechtert hatte.
Die folgenden Bilder geben einige Eindrücke der dreiwöchigen Arbeit wieder.

Nach dem Abnehmen der Planen zeigte sich, dass einige im Jahr 2003 erneuerte aufrechte Rahmenhölzer sich verzogen hatten, so dass hier leider nur ein erneuter Austausch in Frage kam.
Die rückwärtige Stirnseite noch mit den alten, jedoch nur noch fragmentarisch erhaltenen Verkleidungsblechen. Die neuen Bleche lagen bereits seit der letzten Aktion zum Anbau bereit.
Das Innere des Batteriekastens, nachdem man die festgerostete Klappe geöffnet und bergeweise Dreck und Rost entfernt hatte.
Im Gepäckabteil.
Blick auf das Fahrgestell und den Rahmen nach Ausbau der größtenteils durchgefaulten Bodenbeplankung. Im Hintergrund links erkennbar die Öffnung für die Hundeabteiltür. Die linken Rahmenhölzer sind bereits ausgewechselt, die rechte Seite steht noch bevor.
Besonders erhaltenswert macht dieses Fahrzeug das Oberlichtdach! Im Zuge der weiteren Aufarbeitung wird versucht werden, hier möglichst viel Substanz zu erhalten und lediglich vorsichtig die alten Farbschichten zu entfernen.
Die noch weitgehend unberührte Seite des Posti. Es besteht die vorsichtige Hoffnung, auf dieser Seite abgesehen von der Schwelle und dem oberen Rahmen mehr erhalten zu können als auf der anderen Seite. Genaueres wird man sehen, sobald die Bleche abgenommen sind…

Eindrucksvoll ist hier zu erkennen, wie die geschwächten aufrechten Rahmenhölzer die Last des Daches nicht mehr aufnehmen können, so dass sich die ganze Wand nach außen beult. Wie auf der anderen Seite bereits geschehen, wurde diese hintere Seitenwand später komplett erneuert, da auch hier nachträglich ein zusätzliches Fenster eingebaut wurde, welches im Zuge der Herstellung des Ursprungszustands des Wagens entfällt

Eine besonders zeit- und arbeitsintensive, sowie schmutzige Angelegenheit war die Freilegung der Oberlichter. Aus Gründen der Einfachheit und dem besseren Schutz gegen Undichtigkeiten waren die Oberlichter bei den Verkehrsbetrieben Peine – Salzgitter kurzerhand mit Schalbrettern seitlich zugenagelt, zusätzlich mit Bitumenmasse verschmiert und anschließend mit Dachbahnen überklebt worden. Auf diesem Bild sind die unterschiedlichen Stadien der Freilegung gut zu erkennen. Die noch intakten Scheiben wurden vorsichtig herausgenommen und werden – soweit möglich – wiederverwendet.

Auch am Fahrgestell ging es mächtig voran. Wurde 2003 der hintere Bereich komplett bearbeitet, so konnte diesmal die andere Seite werden. Nadelentroster und Rostumwandler waren wieder einmal bewährte Helfer.

Die Fahrwerksaufarbeitung im Detail

Eine sehr undankbare und mühselige Arbeit, die mit bewundernswertem
Durchhaltevermögen und Gründlichkeit von Steffi Dieckow erledigt wurde, war die
Reinigung, Entrostung und der anschließende mehrfache Anstrich mit Rostschutz- und
Lackfarben im Bereich des Untergestells des PwPosti. Am Ende des Arbeitsurlaubs waren in
diesem Bereich die Arbeiten fast abgeschlossen. Lediglich die Träger unter dem Dienstabteil
werden nach Rückbau des dortigen Bodens noch etwas nachgearbeitet werden müssen.
Ansonsten erstrahlt das Fahrwerk auf seiner gesamten Länge bereits in Schwarz!

Am Ende des Rostumwandlungsprozesses. Die graue Frabe zeigt an: Hier wurde der Rost umgewandelt. Nach gründlicher Wäsche und anschließender Trocknung konnte wie bereits drei Jahre zuvor am hinteren Wagenende geschehen die zweifache Grundierung und anschließende Lackierung aufgebracht werden.
In einem ersten Arbeitsgang wurde die rotbraune Farbe gestrichen, danach die graue Farbe. Die unterschiedliche Farbgebung erleichtert das Auffinden noch nicht behandelter Stellen. Die Federpakete sollen eigentlich nicht mit gestrichen werden. Da dieses Federpaket noch zumindest teilweise ausgetauscht wird (Federbruch), störte es jedoch nicht, dass zumindest für das Bild ein „Fotoanstrich“ aufgetragen wurde…
Die vordere Pufferbohle nach Auftragung der ersten Rostschutzgrundierung. Auch hier werden wahrscheinlich zu einem späteren Aufarbeitungszeitpunkt die Hülsenpuffer durch Stangenpuffer ersetzt. Letztere müssen jedoch zunächst separat aufgearbeitet werden und neue Federn erhalten.
Recht anschaulich zu erkennen sind hier die Fertigstellungsstadien des Fahrwerks. Hinten die fertige Lackierung, dann Bereiche mit der ersten rotbraunen und graue Bereiche mit der zweiten Grundierung. Mehrere der hier sichtbaren Trittstufenhalter werden ersetzt werden müssen, nachdem sie während der langen Standzeit in Bodenburg von offenbar von „Eisenbahnfreunden“ gestohlen worden waren.
Blick auf des Fahrwerk der anderen Wagenseite. Rechts sind übrigens die bereits mittig aufgetrennten Eichenbohlen zu erkennen.
Ein Bild des bereits weiter behandelten Batteriekastens darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht fehlen. Dieser Kasten gehört nicht zur Ursprungsausstattung des Fahrzeugs, sondern wurde Anfang der fünfziger Jahre vergangenen Jahrhunderts nachträglich als Einheitsbauform unter diverse Gepäck- und Postpackwagen, sowie Umbauwagen gebaut. Die im Inneren befindlich Akkus wurden gespeist über einen unter dem Wagen angebrachte Generator, der seinerseits über eine Riemenscheibe durch die Wagenachse angetrieben wurde.
Bereits grundierte Eckwinkel und Blechkleinteile warten derweil im Lokschuppen auf den Einbau.
Die frisch lackierte Pufferbohle hebt den Unterschied zwischen den unterschiedlichen Aufarbeitungszuständen schön deutlich hervor.
Fast entsteht hier der Eindruck, als hätte ein frisch aufgearbeiteter Flachwagen eine alte Bretterbude geladen. Zum Glück gibt es jedoch auch etliche Stellen, an denen auch die Aufarbeitung und Teilerneuerung der Aufbauten bereits weiter fortgeschritten ist.

Die Aufarbeitung des Wagenkastens im Detail

Wie bereits bei den vorigen Arbeitseinsätzen festgestellt, befand sich der Wagenkästen
insbesondere an den Längsseiten in Folge jahrelanger Durchfeuchtung in einem stark
abgängigen Zustand. Deshalb konnten hier oftmals die alten Rahmenteile nur noch als
Schablone verwendet werden und waren komplett zu ersetzen. Bei der in diesem
Arbeitsurlaub sanierten Seite kam erschwerend hinzu, dass das obere Rahmenholz in
Vorzeiten bereits ausgetauscht worden war, allerdings nicht gegen ein Eichenholz, sondern
gegen Fichte. Entsprechend war diese Seite im oberen Bereich komplett abgängig und
verfault. Leider griff die Fäulnis auch auf die mit dem Längsholz durch Grate verbundenen
Querhölzer über, so dass auch diese zum Teil zu Ersetzen sind. Entsprechend war in diesem
Arbeitsurlaub ein großer Teil der Arbeitszeit durch den Nachbau von Rahmenteilen geprägt,
so dass zunächst am Fahrzeug augenscheinlich kein Fortschritt zu verzeichnen war, was
natürlich für entsprechende Kommentare sorgte… Umso erstaunter waren die Beobachter,
als innerhalb der letzten drei Arbeitstage fast eine komplette Wagenseite mit
Rahmenhölzern, eine Stirnseite mit neuen Blechen, sowie das hintere Viertel der anderen
Wagenseite mit neuen Rahmenhölzern versehen war. Darüber hinaus ist in dieser Zeit
bereits Einiges vorbereitet worden, was im nächsten Arbeitsurlaub zum Einbau kommt.
Die Arbeit selbst stand zunächst unter keinem guten Stern: Nach dem Auspacken des
Wagens musste festgestellt werden, dass zwei beim letzten Mal eingebaute neue
Rahmenhölzer wohl noch zu frisch gewesen waren und sich beim Trocknungsprozess
verzogen hatten. Sie mussten nochmals ersetzt werden. Dann ließ uns der Holzlieferant für
die Eiche im Stich, trotz wochenlanger Vorbestellung. Zum Glück, denn durch Zufall konnten
wir in Gronau bei einem Holzhändler einen jahrelang luftgetrockneten aufgeschnittenen
Eichenstamm (4 Bohlen) günstig erstehen, der darüber hinaus noch sehr gerade gewachsen
und fast astrein war.
Nachdem man diesen per LKW abgeholt und mit der Handkreissäge (Bohlenstärke 76 mm!)
auf ein einigermaßen händelbares Maß geschnitten hatte, konnte es dann endlich losgehen.
Hier nun einige Aufnahmen von den Arbeiten:

Hier sind die Bohlen schon „handlich“ aufgeschnitten. Geliefert wurden sie in der doppelten Breite. Zum Glück besitzt der Verein eine leistungsstarke Handkreissäge (die auf dem Bild erkennbare Kettensäge diente nur zum Ablängen). Nach dem Grobzuschnitt erfolgte der exakte Zuschnitt auf der Tischkreissäge.

Eine typischer Fall für den Zustand im Dachrandbereich: Das ehemals vor dem Winkel verlaufende obere Rahmenlängsholz war stark verfault und ist bereits entfernt worden. Das mit einem Aussteifungswinkel anschließende Dachquerholz verfügte ursprünglich am Kopfende über einen gegrateten Zapfen. Die Fäulnis hat jedoch auch auf diesen Bereich übergegriffen, so dass der Zapfen komplett verschwunden und das Querholz bereits weitgehend ausgehöhlt ist. Da hier die Dachlast abzufangen ist, wird man dieses Querholz entweder anschuhen oder komplett erneuern müssen.

Mühselig und schmutzig gestaltete sich auch die Entfernung der alten Dachbahnen und die Säuberung der Dachschalung. Die Scheiben des Oberlichtbandes konnten zum Teil erhaltend ausgebaut werden. Später werden in einige der Öffnungen wieder die ehemals vorhandenen Dachlüfter eingebaut. Ebenfalls zu erkennen sind die ab Kopfende abgefaulten geschweiften Dachspanten. Auf dieser Seite werden etliche zu erneuern sein.
Dieser Zwischenzustand zeigt eindrucksvoll, dass zeitweise auf der hinteren Wagenhälfte die komplette Wand fehlte. Natürlich wurden etliche der Originalteile beim Wiedereinbau wiederverwendet. Es mussten jedoch fast alle aufrechten Rahmenhözer, die untere Schwelle, sowie die oberen Rahmenlängshölzer erneuert werden.

Die seitlichen Verkleidungsbleche waren bereits 2003 beschafft und auch damals schon einmal grundiert worden. In Folge der langen Lagerzeit hatten sie jedoch bereits wieder in Teilbereichen Rost angesetzt. Dieser wurde entfernt und die Grundierung erneuert.

Beim Einbau der Rahmenhölzer (links). Kurz darauf sind auch die Bleche an der hinteren Stirnseite montiert. (rechts)

Blick auf die rechte und die linke hintere Strinfront zum Ende des Arbeitsurlaubs.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen: Wie bereits beschrieben, wurde das hintere Seitenfeld in den Ursprungszustand zurückversetzt, d. h. das Seitenfenster nicht mehr vorgesehen. Daran schließt sich die Öffnung für die Doppelflügeltür an. Es folgt das Feld mit Fenster und Briefeinwurf. Hinter der erkennbaren Zwischenwand folgt die Öffnung für das Hundabteil, dann zwei geschlossene Felder und schließlich die Öffnung für die Schiebetür des Gepäckabteils. Die Ergründung, was sich hinter dem daneben erkennbaren alten Verkleidungsblech verbirgt, haben wir uns für den nächsten Einsatz aufgespart…

Nach diesem umfangreichen Arbeitseinsatz stockten die Arbeiten am PwPosti jedoch leider
wieder. Aufgrund hoher Einspannung des Eigentümers in andere wichtige Vereinsaufgaben fehlte die Zeit, sich dem Wagen zu widmen. Daher ist der Wagen derzeit mit dicken, stabilen Planen geschützt konserviert abgestellt. Es ist aber weiterhin das Ziel, den einmaligen Wagen möglichst nah dem Ursprungszustand entsprechend aufzuarbeiten.

Gelangen Sie hier zur Fahrzeugbeschreibung.